Let’s talk about … Anstoßen!

Das Anstossen beim Trinken. Warum machen wir das? Cornelius Binder.Wieder einmal ist sie da, die Zeit des Jahreswechsels, die Zeit, in der wir mit einem Gläschen Sekt auf das neue Jahr anstoßen und uns dabei Glück, Gesundheit und Wohlstand wünschen. Und auch quer durch den Gang des Jahres tun wir es, meist jedoch ohne daran große Gedanken zu verschwenden und oftmals vielleicht sogar nur als reiner Reflex sobald wir in geselliger Runde ein (meist alkoholisches) Getränk in die Finger bekommen.

Doch woher kommt der Brauch sich gegenseitig zuzuprosten und mit einem Pling den Genuss eines Getränks zu beginnen? Und darum: Let’s talk about: Das Anstoßen!

Beim Trinken gewissen Ritualen zu folgen, ist ein Phänomen, das die Menschheit bereits seit Jahrtausenden prägt. So ist beispielsweise bereits bei Homer im 8. Jahrhundert vor Christus und in den Schriften rund um den berühmten Trojanischen Krieg davon die Rede, Wein als rituelles Trankopfer der griechischen Götterwelt zu widmen und diesen mit Wasser gemischt danach an alle Teilnehmer eines Opferrituals zu verteilen.

Der Brauch des Anstoßens an sich stammt jedoch aus weitaus jüngerer Zeit. Eine mögliche Herkunft liegt im Mittelalter, als Streitigkeiten um Macht und Politik oftmals ihren Weg bis in die Tischsitten hinein finden. So entspricht es damals der gängigen Praxis, den unliebsamen politischen Gegner oftmals hinterrücks an der Tafel mit seinem Getränk zu vergiften. Die Idee die Trinkgefäße gegeneinander zu stoßen, ist somit eine Methode zum reinen Selbstschutz.

In einer Zeit, in der unsere heutigen filigranen Sekt- oder Weingläser noch Jahrhunderte in der Zukunft liegen, sind damalige Trinkhumpen massiv genug, um sie regelrecht gegeneinander schlagen zu können. Das Ziel ist es dabei, ein wenig der eigenen Flüssigkeit ins Gefäß des Trinkkumpanen zu bringen, der damit selbst sein eigenes Gift zu sich nehmen würde.

Signalisiert man also die Bereitschaft anzustoßen, zeigt man seinem Gegenüber, dass man aufrichtig an Freundschaft interessiert ist und keineswegs die Absicht hegt, den Gast zu vergiften. Wer nun jedoch das Trinken nach dem Anstoßen oder das Anstoßen an sich verweigert, macht sich somit im Gegenzug äußerst verdächtig.

Eine weitere Theorie verortet das Anstoßen im 16. Jahrhundert, als in der beginnenden Neuzeit die Tischmanieren im reichen Bürgertum aufkommen. So bedeutet es ein Zeichen von Wohlstand, jedem Gast sein eigenes Glas anbieten zu können, was die Geste des Anstoßens entsprechend honorieren soll.

Übrigens leitet sich unser, beim Anstoßen allseits gebräuchliche Trinkspruch „Prost“ vom lateinischen Ausdruck „Prosit“ her, der seinerseits „Es möge nützen“ bedeutet. Es ist dies der Wunsch, dass der Gegenüber das alkoholische Getränk gut vertragen möge.

Text und Bild: Cornelius Binder

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