Weinbotschaft. Wenn Wein reift. Teil II

Weingarten im WinterLetzte Woche haben wir uns  ja bereits schon recht intensiv mit dem Thema beschäftigt und ich habe beschrieben wie sich Wein während der Lagerung entwickelt. In der heutigen Kolumne möchte ich gerne vermitteln, was es denn überhaupt braucht und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Wein für die Reifung im Keller geeignet ist. Leider ist nicht automatisch jeder Wein dafür geeignet, lange Zeit im Keller zu verbringen. Aber im Grunde ist das auch gut so, denn wir wollen ja auch die jungen und frischen Weine verkosten und uns nicht ausschließlich auf die alten Herren kaprizieren. Aber widmen wir uns dem heutigen Thema: Was braucht es eigentlich damit Wein all das hat, was er zum Reifen braucht? Was sind denn die Voraussetzungen, die er erfüllen muss bevor er überhaupt in den Keller kommen kann? Und wir beginnen da, wo wir Weingenießer gar keinen Einfluss haben, im Weingarten.

Der Weingarten
Auch wenn es vielleicht schwierig ist, sich vorzustellen, was der Weingarten damit zu tun haben könnte, liegt hier mehr Wirkung als man vermutet. Es geht weniger um den Weingarten per se, als um das Alter der Rebstöcke. Ein junger Weingarten liefert Weine, oder besser Traubenmaterial, mit einer hohen Säure. Das liegt daran, dass die Wurzeln noch nicht tief genug ins Erdreich ragen und eher nur oberflächlich Nährstoffe aufgenommen werden können. Die bekannte Mineralität, ein wichtiger Punkt für zu reifende Weine, findet man hauptsächlich in den tieferen Bodenschichten. Ein Weingarten sollte mindestens 10 Jahre alt sein, damit auch ein Wein daraus erzeugt werden kann, der Reifepotential in sich trägt. Dann hat der Rebstock Zeit, genügend Wurzeln auszubilden, um die Mineralstoffe der tieferen Bodenschichten zu integrieren. Und natürlich gibt es noch mehr Kriterien, etwa die Art des Bodens oder wie der Winzer damit umgeht, welche Reben er pflanzt oder  wie der Weingarten behandelt wird.

Das Jahr und das Wetter
Auch wenn ein Weingarten bereits über 30 Jahre alt ist und die Wurzeln bereits tief in den Erdboden reichen, heißt es noch lange nicht, dass hier automatisch großartige Weine entstehen. Genauso wichtig wie das Alter der Reben sind die Wetterverhältnisse und deren Verteilung über das Jahr. Gibt es viel Regen, sind die Beeren zu groß und haben kaum Extrakt. Ist zuviel Sonne im Spiel, sind die Beeren meist schnell ausgetrocknet. Und diese Faktoren sind nur die Grundvoraussetzungen.

Der Winzer
Natürlich dürfen wir den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. Dabei stellt sich die Frage, wie der Winzer das Traubenmaterial bearbeitet. Weine, die in Stahltanks reifen und früh gelesen werden, sind oft eher weniger für die Reifung gemacht. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt zu dem das Traubenmaterial gelesen wird. eine späte Ernte fördert den Extraktgehalt und auch ein höherer Zuckergehalt ist die Folge. ein schönes Bild, um sich diesen Prozess vorstellen zu können wäre das Beispiel des Apfelbaumes. Die jungen, die frühen Äpfel sind noch hart und sehr sauer, später geerntete haben mehr Zeit zu reifen, sie werden süßer und auch weicher. Der Vorgang ist bei den Trauben im Grunde sehr ähnlich.

Der Weinkeller
So, nun kommen wir zu dem Punkt, an dem auch wir selber wieder etwas bewirken können. Entgegen vieler anderer Meinungen müssen wir keine Unsummen ausgeben, um dem Wein in den eigenen Wänden die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln, Ein einfacher Klimaschrank ist hier meist völlig ausreichend. Jedoch sollte das Augenmerk darauf gelegt werden, die Luftfeuchtigkeit über über 70 Prozent zu halten. Wichtig aber nur – wie wir hier bereits gelernt haben – bei Weinen mit Naturkork. Flaschen mit Schraubverschluss, Kronkorken oder Glaskorken benötigen einfach nur die richtige Temperatur von ca 3-7 Grad. Beachten Sie bitte, dass sich der Wein bei höherer Temperatur schneller entwickelt, bei niedriger langsamer.

Text: Peter Ladinig
Bild: 123rf.com

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