Weinbotschaft. Tütenwein? Tütenwein!

Wein einschenken. Aber in welches Glas?Tetrapack ist uns allen schon seit vielen Jahren bekannt. Schon lange ist diese Art der Verpackung in den Regalen der Supermärkte angekommen. Ganz egal ob Milch, Fruchtsäfte oder andere Produkte, sogar Wein wird heute in solcher Verpackung verkauft. Doch ist der Ruf solcher Tütenweine alles andere als gut, ganz im Gegenteil. Viele Konsumenten, viele Weinkenner denken, solch verpackte Weine wären lediglich die unterste Kategorie der Qualitätspyramide. Das Thema wird auch unter Fachleuten häufig diskutiert und auch in diesen Diskussionen schneiden die genannten Produkte meist nicht sehr gut ab, viele gehen Tetrapack-Weinen augenscheinlich fast aus dem Weg. Doch die Realität zeigt, es ist zu vermuten, dass wir in Zukunft noch öfter damit zu tun haben werden.

Ein bekanntes Weingut aus Kalifornien ist nun erstmals auch diesen Weg gegangen und hat zwei Weine auf den Markt gebracht, in Tetrapack, mit hippem, modernem Design. Chardonnay und Rotweincuvée. Es lässt sich leicht nachvollziehen, welchen Wirbel diese Vorgehensweise sofort in der Fachgemeinde ausgelöst hat. Die Kommentare reichen von „Wie kann man nur so dumm sein“ bis hin zu „Ein Vorreiter der Weinwelt“. Durchwegs sind die Reaktionen aber sehr emotional und die Lager sind geteilt.

Betrachten wir die Situation einmal ganz nüchtern und sachlich. Produkte wie Milch und manche Säfte sind seit vielen Jahren in dieser Art Verpackung zu kaufen, zu Anfang war auch das ein Umstellungsprozess aber längst ist das für uns alle völlig normal. Warum dann nicht auch beim Wein? Vor allem könnte man dabei beispielsweise in Punkto Design mehr Spielraum lassen  und kreativer sein. Und bezüglich der behaupteten minderen Qualität? Versuche haben gezeigt, sogar Profis aus der Weinbranche konnten bei der Verkostung des Inhaltes keine Unterschiede feststellen, egal ob der Wein nun aus der Glasflasche oder aus der Tüte kam.

Aber wir müssen auch realistisch bleiben, denn solange es keine „intelligente Tüte“ gibt, werden wir die gute alte Glasflasche noch lange haben und das begründe ich unter anderem mit der Entwicklung des Weines, wenn er einige Zeit im Keller lagert. Für Alltagsweine allerdings sollte das kein Thema sein, hier ist diese Verpackung durchaus sinnvoll. Diese Weine müssen sich nicht mehr sonderlich entwickeln., hier kann Tetrapack sogar Sinn machen: Vor allem wenn es um den Umweltgedanken und ums Recycling geht. Die Herstellung solcher Tüten ist erwiesenermaßen eine geringere Belastung für die Umwelt, als es die Herstellung von Glasflaschen ist.

Wer denkt dass Wein aus der Tüte etwas Neues ist, der irrt. Beispielsweisel verwendet die Winzergenossenschaft Krems schon seit vielen Jahre das Konzept „Bag-in-Box“ für die einfachen Weine, bestimmt für den Verkauf in der Gastronomie. Und auch andere Erzeuger verwenden diese oder ähnliche Verfahren. Für die Gastronomie und auch für den Erzeuger selbst hat diese Art der Verpackung einige Vorteile: Beginnend bei der einfacheren und platzsparenderen  Lagerung bis hin zu den geringeren Transportkosten aufgrund des deutlich niedrigeren Verpackungsgewichtes. Ja, natürlich wird auch in der Gastronomie im Einkauf gespart. Nur so kann der Wein günstiger verkauft werden ohne in der Qualität Einbußen hinnehmen zu müssen.

Wie wir sehen, ist die Verpackung in Tertrapack also gar nicht mal so abstrakt – auch wenn es zugegebenermaßen schöner und natürlich stilvoller  ist, eine Flasche aus Glas zu öffnen als eine aus Papier. Aber bedenken wir auch, wie es war, damals vor 15 bis 20 Jahren, als der Drehverschluss auf den Markt kam. Damals ging ein großer Aufschrei um die Welt.  Heute ist auch das bereits Alltag und wir sehen, dass sogar die guten und sogar manche die großen Weine mit diesem System verschlossen werden. Weil, ja, weil auch hier die Vorteile überwiegen. Und da sich die Technik auch am Verpackungssektor rasant weiterentwickelt, dürfen wir sicher sein, auch bei den Tetra-Verpackungen eine schnelle Entwicklung zu sehen. Auch dieses Verfahren wir rasch markttauglicher werden. Und seien Sie nicht scheu, wenn Sie einen Wein in der Tüte sehen. Bevor man ihn nicht versucht hat, sollte man ihn auch nicht verdammen. Wie heißt es so schön? Es gibt immer Neues zu entdecken.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123RF.com Stock Photo

4 comments on “Weinbotschaft. Tütenwein? Tütenwein!

  1. Regine Kleinschuster on said:

    Das Thema ist nicht neu. Haben schon manche versucht und sind gescheitert. Ich würde Wein im Tetrapack nicht kaufen, weil Wein für mich ein Genussmittel ist. Es ist einfach emotional besetzt. Aber ich kaufe auch keine Jogurt im Plastikbecher.

  2. Johann Von Der Au on said:

    die übelste Erfindung der Menschheit 🙁

  3. Nein, das Abendland geht nicht unter…
    Aber in dem Artikel werden mehrere verschiedene Begriffe durcheinander gewürfelt. Das worum es gerade geht, ist nicht Tetrapack, sondern runde Flaschen aus einer Art Karton in extravagantem-Design – und da ging es in der Argumentation vor allem darum, dass eben nicht sinnlos Gewicht durch die Welt geschippert werden solle und man mit der – ich nenne das jetzt einmal – „Papierflasche“ Irre viel Gewicht einsparen könnte. Es wurde auch dazu gesagt, bei Weinen, die man im ersten Jahr trinken wird. Und da ist das ja nicht von der Hand zu weisen.

    Die Liter-Tetrapacks, die eckigen Packerln im untersten Regal im Supermarkt, sind tatsächlich meist auch unterste Qualität und waren schon öfters Gegenstand von Untersuchungen der Weinkontrolle. So z.B. beim Skandal vor ein paar Jahren zur VinItaly, wo zig Tausend Liter künstlich hergestellter und sogar mit Salzsäure versetzter „Wein“ aus Italien verramscht wurde. Das sind halt immer die Auswüchse der Gier und der Geiz ist geil Mentalität. Prinzipiell wäre die Verpackung aber natürlich für schnell drehenden, einfachen Massenwein tauglich. Der Ruf ist allerdings nachhaltig beschädigt. (Anmerkung: Auch unsere Magensäure ist im Prinzip Salzsäure, damals wurde nur eben eine gesundheitsgefährdende Menge zugefügt).

    Wiederum ganz was anderes ist Bag in. Box oder kurz BiB. Ein meist 3 oder 5 l Gebinde, das auf manchen Märkten, z.B. In Skandinavien längst Normalität ist. Da gibt es dann auch schon eigene Kühlschränke für die Gastronomie, in denen dieses Schachteln mit dem silber-glänzenden Innenleben, das den Wein auch recht gut konserviert, hübsch präsentiert werden. Ideal für den glasweisen Ausschank, ohne täglich x Flaschen her- und wegräumen zu müssen. In diesen BiBs gibt es inzwischen auch Premiumweine namhafter Erzeuger.
    Gruss. Helmut O. Knall

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