Kulinarium. Weihnachtsessen.

Weihnachtsessen. Aber Was?Ich backe gerade einen englischen Früchtekuchen aus dem Rezeptbuch meiner Oma. Sie nannte ihn „Gesundheitskuchen„, aber ich weiß nicht genau, wie er zu dieser Ehre kam: viel Butter und Zucker, Rosinen, Aranzini , Zitronat und eine Unmenge Eier sprechen eine andere Sprache. Auf jeden Fall habe ich bemerkt, dass die Teigmenge meine Kastenform sprengt, deshalb habe ich den Rest zu Muffins, die ja neuerdings Einzug in die österreichische Küche gefunden haben, umfunktioniert und muss gestehen: allerliebst sehen sie aus, wie sie gerade im Backrohr aufgehen.

Das alles tue ich nicht etwa, weil mir nach einem ausgefüllten Arbeitstag langweilig ist, sondern um mich abzulenken – seit 2, 3 Tagen nämlich kreisen meine Gedanken nur um eines:
Was werden wir zu Weihnachten essen?

Es gilt schließlich eine 5-köpfige Familie an 3 aufeinanderfolgenden Tagen zu verköstigen. Am Heiligen Abend gibt es zwar immer das Selbe, aber was dann?

Einerseits werde ich mich hüten, Traditionen zu brechen, aber ich muss ehrlich gestehen, ich hätte durchaus nichts dagegen, meinen Gaumen einmal mit einem exotischen Gericht zu verwöhnen. Krokodil vielleicht oder Straussensteak. Allerdings habe ich dieses Thema innerhalb der Familie nur sehr kurz angeschnitten: Tassen und Teller flogen mir um die Ohren, ganz zu schweigen von diversen Beleidigungen und Unzurechnungsvermutungen, die mich mehr schmerzten, als die Gabel, die mein rechtes Auge oberhalb der Braue knapp verfehlte.
Es muss also ein heimisches Tier sein, wenn möglich aus dem Wald, und wenn schon das nicht, dann zumindest aus Nachbars Stall.

Gestern habe ich, euphorisiert von einem excellenten Chianti, mutig angefragt, ob wir unter Umständen vielleicht einen Karpfen oder eine Forelle Blau … „Bist du völlig von Sinnen?“, riefen Göttergatte und Schwester unisono: „Fisch ist eine Fastenspeise! Sowas kannst du im Jänner kochen! Wir wollen richtiges Fleisch mit selbstgemachten Kroketten oder Spätzle und Gemüse und Kräuterbutter und molliger Rotweinsauce … Dir wird schon was einfallen!“
„Danke für euer Vertrauen.“
, antwortete ich matt.
Jetzt sitze ich am Küchentisch, warte auf meinen Kuchen und eine Eingebung.

Ich werde beizeiten berichten, ob es nun zarte Rehfiletspitzen mit Rotkraut und Maronipürree geworden sind oder ein Hirschrückensteak mit Kohlsprossen und Preiselbeerbirne.
Vielleicht aber auch entscheide ich mich für eine Schweinsstelze, der ich beim Servieren brutal Messer und Gabel in die knusprig-gebratene Schwarte ramme wie im Schweizer Haus, begleitet von Senfbutter und einem Krautstrudel.
Auch Rindsrouladen, gefüllt mit einem Sardellen-Essiggurken-Ei-Gemisch befinden sich in der engeren Auswahl.

Wie auch immer: mein Kuchen ist fertig. Und ich auch.

Text: Bibi Stift

2 comments on “Kulinarium. Weihnachtsessen.

  1. seit ein bisserl zu spät oder für nächstes Jahr ?

  2. Im Grunde waren wir schon pünktlich. Aber pünktlich zu Weihnachten 2013. Und die Promo auf FB war ein wenig zu lang eingestellt … Tja, was solls. 🙂

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