Kulinarium. Vom Einrexen.

Einrexen, Einkochgläser„Weisst du“, sagt mein Lieblingschefredakteur, „die besten Beiträge schreibst du eh ohne Themenvorgabe.“Nun sitze ich also hier, nuckle an einem eingelegten Dirndllikör vom letzten Jahr und denke. Die üblichen Gourmetthemen sind ausgereizt, über Frühstückseier, Backhenderln und Schweinsbraten wurden schon genug Worte verloren, für Weihnachtsgeschichten ist es zu früh und Ostern längst vorbei.

„Der Gregor macht es sich aber schon ein bisschen leicht“, kann ich eine unterschwellige Gereiztheit in mir feststellen, „schließlich bin selbst ich kein unerschöpflicher Quell kulinarischer Geschichten!“ Ich nippe noch einmal an meinem Dirndl. Das sind, für diejenigen, die des Steirischen nicht mächtig sind, Kornelkirschen, eingelegt in Wodka und ganz viel Zucker. Nach einem halben Jahr in der Sonne schmeckt die ansonsten ziemlich bittere Frucht ziemlich verlockend, soll heißen, einer ist niemals genug.

Das erinnert mich an eine Phase meiner Pubertät, in der ich mir einbildete, Bäuerin werden zu wollen. Auf unserem Grund wuchsen damals sämtliche Obstsorten, die in unseren Breiten heimisch sind und auch solche, die es eigentlich nicht nach Österreich hätten schaffen sollen, die Feige zB. Ich verschlang also die alten Haushaltungsbücher meiner Grossmutter und begann, einzulegen, einzurexen und haltbar zu machen, was das Zeug hielt.

Meine Mutter begegnete dem verständnislosen Kopfschütteln meines Vaters mit den Worten: „Sei froh! Ist es dir lieber, sie zieht mit den Nachbarsburschen um die Häuser?“ Daraufhin packte er mich in den Kombi, fuhr mit mir zum Lagerhaus und wir kauften ein! Gläser, Flaschen, Rexgummis, Zitronensäure, Zucker in rauhen Mengen und alles, was mein Jungmädchenherz hausfraulich begehrte.

Grüne Nüsse wurden von mir liebevoll in Essig eingelegt, Zwetschgen und Ringlotten zu Marmelade verarbeitet, aus Äpfeln wurde literweise Kompott für den Winter bereitet und sämtliche Rezepte aus meinem neuen Lieblingsbuch, datiert aus dem Jahre 1926 (!) ausprobiert. Ich muss zugeben, dass nicht alles gelang. Saure Pflaumen schmeicheln unseren Zungen nicht mehr und auch der Versuch, dieselben in einer derben Senfsauce zu konservieren, ging ins Auge.

Was mir allerdings in bester Erinnerung geblieben ist, nennt sich „Quittenkäse“ und ist heute nahezu vom Aussterben bedroht. Dazu schneidet man Quitten kleinwürfelig und kocht dieselben ca. eine Stunde mit wenig Wasser, passiert sie und fügt halb soviel Zucker hinzu. Eineinhalb Stunden muss man rühren, bis sich die Masse vom Boden löst, die man daraufhin auf ein Blech streift und hart werden lässt. Der Phantasie sind dann keine Grenzen mehr gesetzt. ich hab damals viele Vierecke geschnitten und sie in Kristallzucker gewälzt.
Die kleinen Dinger waren aber auch wirklich allerliebst anzusehen und machten sich auf der Kaffeetafel sehr gut, fast so wie Geleezuckerl.Nach einer Woche probierten wir die ersten Stücke. Sie waren sehr hart und ein bisschen bitter.
Nach einem Monat sagte ich: „Ich werde sie schon essen!“
Nach 3 Monaten weigerte sich meine Mutter, Quittenkäse noch weiteren etwaigen Besuchern aufzuwarten.
Nach einem halben Jahr und langen Diskussionen warfen wir den Rest weg.
Trotzdem bin ich froh, auch diese Käseerfahrung erlebt haben zu dürfen.
Quitten mag ich momentan keine mehr. Aber das kann sich ja wieder ändern. Nach diesem Ausflug in meine Pubertät genehmige ich mir noch ein Schlücklein vom Dirndlschnaps. Was ich heut allerdings schreiben soll – keine Ahnung …
Text: Bibi Stift
Bild: zigzagmtart / 123RF Stock Photo

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5