Kulinarium. Sag mir, was Du isst und ich sage Dir, wie gesund Du bist.

Rohkost im Kulinarium.Wer heutzutage nicht weiß, wie er sich richtig ernähren soll, schalte den Fernsehapparat ein, schlage eine x-beliebige Zeitschrift auf oder frage den Arzt seines Vertrauens. Die Antworten sind garantiert dafür geeignet, sich plötzlich sterbenskrank zu fühlen, sich verunsichern zu lassen oder gleich mit der täglichen Nahrungsaufnahme aufzuhören!

Da soll man einerseits 5x pro Tag Obst und Gemüse zu sich nehmen, vorzugsweise Äpfel, Marillen und Brokkoli oder Avocados. Allerdings wird dringendst davon abgeraten, dies am Abend zu tun, weil doch Obst im Magen gärt und man vermeiden möchte, am nächsten Morgen mit einem unfreiwilligen Kater aufzuwachen. Avocados wiederum sind sehr fetthaltig und Fett, so wird uns seit Jahren weisgemacht, ist böse und macht dick. Wenn man gerne rohe Karotten ist, sollte man dies immer mit einem Löffel Öl verbinden, weil nur so die in der Möhre enthaltenen Vitamine vom Körper aufgespaltet werden können. Zu viel Rohkost wiederum belastet den Verdauungstrakt, deshalb wird uns geraten, die Möhre vorher zu kochen – aber nicht zu lange, denn in Karotten, die man mit der Gabel zerdrücken kann, haben sich die Vitamine schon längst über alle Berge gemacht.

Ähnliches lässt sich über des Österreichers liebste Eiweißquelle, das Fleisch, sagen: Jemand, der sich kiloweise knusprige Schweinebeine genehmigt, ist unweigerlich dem vorzeitigen Tod durch Herzverfettung geweiht, das saftige Rindschnitzerl, über die Massen genossen, verursacht schmerzhafte Gichtanfälle und mit Antibiotika geimpfte Putensteaks sind sowieso ein absolutes kulinarisches No go (Obwohl sie so mager sind, siehe oben ….)!

Olivenöl muss kaltgepresst und jungfräulich sein, das Weißbrot dazu aus vollem Korn, sonst ist es wertlos, Reis darf man nicht schälen, um das Silberhäutchen nicht zu vergrämen und Weizen ist laut neuesten Studien aus (natürlich!) den USA schuld an allem …
Wer zugibt, gerne Süßes zu essen, wird mit scheelen Blicken bedacht. Weil Zucker ein rücksichtsloser Vitamin B-Räuber ist, der noch dazu dafür sorgt, dass man alsbald zahnlos durch die Strassen marschiert.

Essen soll man 5x am Tag, sagt Zeitschrift A. Zeitschrift B besteht darauf, dass zwischen 3 täglichen Mahlzeiten 5 Stunden Abstand herrschen sollen, da man ansonsten aufgeht wie der berüchtigte Germknödel, der wiederum, siehe oben, das Gebiss lädiert und das Körperfett drastisch steigert, sofern er nicht mit selbst gemahlenem Vollkornmehl zubereitet wird.

Selbst bei den Fischen, die, so wurde uns gepredigt, das gesündeste Nahrungsmittel überhaupt sein sollen, wird inzwischen relativiert: Fisch, so habe ich in Zeitschrift C gelesen, bitte regelmäßig, aber nicht mehr als 2-3x pro Woche. Sagen Sie das mal einem Eskimo!

Die Liste der Beispiele ist endlos und ich kümmere mich nicht mehr darum. Ich esse gerne und ich weiß, was mein Körper braucht. Wenn ich Lust auf ein Steak habe, genehmige ich es mir. Es gibt Tage, an denen ich mir auf der Stelle einen knackigen Salat bereiten muss oder einen schmackhaften Gemüseeintopf. Und ich glaube nicht, dass es mir schadet, 3x hintereinander Fisch mit Gurkensalat zu essen. Wir sollten uns wieder darauf besinnen, unserem Körper zu vertrauen: Er weiß schon, was er will. Und wenn er mir sagt, er möchte vor dem Schlafengehen noch einen Apfel, dann kriegt er ihn. Deshalb bin ich noch nie mit einem Kater erwacht!

Text: Bibi Stift
Bild: dar1930 / 123RF Stock Photo

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