Kulinarium. Pizza, ein Stück vom Himmel.

Pizza, Pizza, PizzaIch soll also über lukullische Genüsse im Winter schreiben. Was ich mir damit wieder antue-weil, es ist ja alles schon gesagt. Über fetttriefende Blutwürste, gebratene Schweinehälften oder opulente Sonntagsmenüs ist hinlänglich berichtet worden, Silvesterschmankerln zählen nicht mehr und für Ostern ist es zu früh. Hmm. Ich muss also etwas Neues finden, etwas Bahnbrechendes, Epochales, dessen blosse Beschreibung dem Leser sämtliche Wässer im Munde zusammenrinnen lässt.

Weil mir grad nichts einfällt, geh ich erst einmal in die Küche, um mir einen bescheidenen Snack zu richten. Viel ist nicht da, weil ich krankheitsbedingt das Haus hüten muss, aber mit einem raschen Blick erfasse ich die gar nicht so aussichtslose Situation und beschliesse, mir eine Pizza zu backen. Der Teig ist schnell zubereitet und natürlich von Hand geknetet, wie es sich gehört. Dass ich der Masse einen Schuss Bier zufüge, ist kein Geheimnis, wohl aber der Umstand, dass derselbe, in ein feuchtes Tuch gewickelt, im Kühlschrank rasten darf und nicht etwa bei Zimmertemperatur.

Eine halbe Stunde. Na, da wird mir wohl etwas Schönes einfallen inzwischen, denke ich und kehre zum Computer zurück.

Fastenzeit? Nein, hatten wir schon. Grossmutters Einkochgeheimnisse? Fehlanzeige. Sentimentale Weingartengeschichten gehen im Februar auch nicht, weil sich kaum jemand bei minus 10° C zwischen die Reben stellt, um händchenhaltend den Sonnenuntergang zu betrachten – zurück in die Küche:

Ach, meine Pizzakugel ist schon schön aufgegangen. Also ausrollen, Tomatensauce mit einer Spur Knoblauch, Olivenöl und frischem Oregano draufstreichen und dann Käse nach Geschmack. Ich verwende gern einen würzigen Bergkäse oder Parmesan. Mein Kühlschrank gibt heute ausserdem einige Scheiben Speck, ein paar Zwiebelringe und eine Handvoll Oliven her. Mehr brauch‘ ich nicht. Allzu überladene, die Geschmackspapillen verwirrende Mischmaschpizzen schmecken mir nicht. (Und Menschen, die sich Ananasscheiben auf Meeresfrüchte legen, sind mir sowieso suspekt.)

Was auch nicht geht: Mayonnaise und, schon einmal voller Grauen am Nebentisch in einer Pizzeria beobachtet: Senf!

Wie auch immer: Während meine Pizza sich langsam von einem teigblassen, weichen Gebilde in ein goldgelbgebräuntes, knuspriges Geschmackserlebnis verwandelt, kehre ich noch einmal an meinen Schreibtisch zurück. Ich durchforste mein Hirn nach einer zündenden Idee. Allein, sie kommt nicht. Mehlspeisen reizen mich momentan gar nicht und Hirsch-Reh-Fasan-Geschichten hatten wir auch schon. Mensch, denk ich, das darf doch wohl nicht wahr sein! Über´s Essen kann ich doch normalerweise immer schreiben. Kurz keimt der schreckliche Gedanke einer „Schreibblockade“ in mir auf, aber ein wohlbekanntes Geräusch aus der Küche (geschmolzener Käse, der zischend auf den Backofenboden tropft) lässt mich Bleistift und Notizblock auf der Stelle vernachlässigen und stattdessen zielstrebig Richtung Genuss eilen.

Wie sie da vor mir liegt, diese eigens kreiierte Symphonie aus Bio- Weizenmehl, bestem Olivenöl und frischen Zutaten, wie verlockend der knusprige Rand, der krachend unter dem Biss meiner Zähne zerbirst, nur um in weiterer Folge Zeugnis zu geben von einer unnachahmlich delikaten Symbiose von grünen Oliven, deren salziger Geschmack sich an die von der Hitze gemilderte süsse Schärfe einer roten Zwiebel schmiegt.

Aus! Ich geh essen. Mit dem lukullischen Beitrag wird´s wohl leider nichts mehr werden heute.

Text: Bibi Stift
Bild: Pixabay

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