Kulinarium. Nebelnovemberbeschäftigung.

Wildragout, Werner Krug, Leopold Stocker Verlag

Als ich heute morgen aus dem Fenster sah und alles draußen in einer undurchdringlichen Nebelsuppe zu ertrinken drohte, beschloss ich, erst gar nicht mein gemütliches Bett zu verlassen. Ich angelte nach dem erstbesten Buch, das auf meinem Nachttisch lag und erwischte ausgerechnet  „Vorratshaltung im ländlichen Haushalt“ aus dem Jahre 1955. Ich übersprang geflissentlich das Marmeladenkapitel, weil mir nach Deftigerem zumute war und landete bald bei Pasteten, Würsten und Kübelfleisch. Im Keller meiner Grossmutter lagerten stets riesige Gläser mit Verhackertem, gebratenem Schweinebauch oder Selchwürstln, deren Geschmack mir heute noch auf der Zunge liegt. Von der Decke baumelten Schinken und sämtliche Gustostückln, die man sich nur vorstellen kann. Ich kann mich nicht erinnern, jemals den Keller betreten zu haben, ohne dass mir das Wasser im Munde zusammengeronnen wäre. Ich bin sozusagen zwischen Schmalztiegeln und Fässern voll mit kulinarischen Köstlichkeiten aufgewachsen. Mein Magen knurrte.

Ich stand auf und begab mich in die Küche, um nach einem kurzen Blick äußerst frustriert festzustellen, dass weder halbe geräucherte Schweinebeine noch sonst etwas Adäquates zur Verfügung standen. Das einsame Stück Käse, das sich zwischen zwei Magerjoghurts versteckt hatte, ließ mich auch nicht gerade frohlocken. Ich musste auf der Stelle richtiges Essen zu mir nehmen!

Zwanzig Minuten später stand ich mit einer vollgepackten Einkaufstasche in der Küche, das aufgeschlagene Kochbuch neben mir und für den kleinen Hunger zwischendurch an einer knusprigen Schweinsbratensemmel knabbernd.

Ich hatte ein halbes Kilo frische Hühnerleber gekauft und machte mich sogleich daran, die vorzüglichste Leberpastete aller Zeiten zuzubereiten. Dafür röstete ich Schalotten kurz in Olivenöl an, warf die Leber und einen Apfel grob geschnitten dazu und würzte mit Salz, reichlich frisch gemahlenem Pfeffer, Thymian, Majoran und einem Hauch Knoblauch. Das Ganze wurde mit einem Löffel Preiselbeeren püriert und danach in Schraubgläser gefüllt.

Bis auf den „kleinen“ Rest, den ich noch warm auf getoastetem Weissbrot verkosten musste.

Text: Bibi Stift

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