Kulinarium. „Grillen“, sagte mein Vater, „ist ganz einfach.“

Grillen und Wein.Grillen„, sagte mein Vater, „ist ganz einfach. Du nimmst ein paar Fleischstücke, hängst sie über die Glut und fertig.“ Ich war ganz seiner Meinung, trotzdem musste ich ihn sanft darauf hinweisen, dass wir Dezember hatten, ringsherum hohe Schneetürme darauf warteten, weggeräumt zu werden und überhaupt war es viel zu kalt. „Wenn du Geburtstag hast, Tochter, spielt es keine Rolle, wo und wie wir grillen. Ich mach das, du wirst schon sehen!

Sprach´s, nahm die Schaufel und bahnte sich einen Weg durch unseren Hof. Nach einer Stunde erschaufelte er sich einen Korridor durch die immensen Schneemassen, schichtete Ziegel auf den nassen Boden und machte mithilfe einiger trockener Äste Feuer. Ich stand daneben, betrachtete sein schweissnasses Gesicht und schimpfte lauthals, wenn die Nässe des Bodens jegliches Bemühen zunichte machte. Die feuchtkalte Winterluft tat ihr Übriges – es wollte und wollte nicht brennen. „Hmm„, schnaufte er, „das ist gar nicht so einfach.“

Mutter kam aus dem Haus, sie hielt eine Flasche Brennspiritus in den Händen. „Mach mal Platz!“, befahl sie rigoros, übersah geflissentlich Vaters beleidigtes Gesicht und nach 10 Minuten brannte die Holzkohle – sie schwang ihre Schürze, legte Hühnerbeine und dicke Koteletts auf den Rost, dazwischen entschwand sie in die Küche, um Mayonnaisen zu rühren, Salate anzurichten und Saucen aus dem Ärmel zu zaubern. „Du„, sagte sie meinem Vater, „musst nur schauen, dass nichts anbrennt.“ Sie zwinkerte mir zu und flüsterte: „Keine Sorge, deinen Geburtstag feiern wie richtig toll!

Mein Vater, nunmehr zum Handlanger degradiert, bemühte sich, das Feuer aufrecht zu erhalten und mithilfe einer großen Fleischgabel das Grillgut vor dem Verkohlen zu bewahren. Es fiel ihm nicht leicht, das Zepter aus der Hand zu geben, was sich unter anderem darin bemerkbar machte, dass er uns Kinder immer wieder in die Küche schickte, um nach dem Rechten zu sehen. Und Mutter übertraf sich derweilen selbst: Schwäbischer Kartoffelsalat (das Rezept werde ich vielleicht beizeiten verraten!), Knoblauchsauce, speckumwickelte Zucchini, Waldorfsalat mit Walnüssen und so vieles mehr.

Als Mutter endlich in den winterlichen Garten kam, begann es zu schneien. „Siehst du„, meinte Vater, sichtlich stolz, „das Fleisch ist endlich fertig – jetzt können wir essen!“ Ich spürte Schneeflocken auf meiner Nase. Langsam erlosch die Glut. Alle waren zufrieden und der Winterabend verwandelte sich in die Nacht. Die Kälte ließen wir draußen, als wir uns ins Speisezimmer setzten. Vater öffnete eine Flasche Welsch.

Liebes Kind,“ sagte er, „heute ist ein besonderer Tag, darauf wollen wir trinken und obwohl meine Grillkünste …“
Mutter unterbrach ihn, lachte und rief: „Papperlapapp! Ohne dich hätten wir gar nichts zu essen!“

Text: Bibi Stift
Bild: raphotos / 123RF Stock Photo

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5