Kulinarium: Die weihnachtliche Genuss-Orgie.

Tomate mit Kräutern

2013 ist da und ich hoffe, Sie alle haben die Feiertage gut überstanden. Ich für meinen Teil habe mir so wie jedes Jahr wieder einmal eine Januardiät verordnet.

Die letzten 3 Wochen waren lukullisch betrachtet äusserst anstrengend für mich: Da ich am 17. Dezember meinem Geburtstag feiere, beginnen die weihnachtlichen Genuss-Orgien für meine Familie schon etwas früher und heuer war es ein wunderbares Filet Wellington, das mir der Göttergatte auf den Tisch zauberte. Mein Mann ist gelernter Koch, was aber nicht heisst, dass ich mich das ganze Jahr darauf freuen kann, nach getaner Arbeit ein 3-gängiges Menü zu Hause vorzufinden – ganz im Gegenteil: Er kocht nur zu besonderen Anlässen, aber das macht es vielleicht so exquisit. Das Weihnachtsmenü obliegt allerdings immer noch mir. Seit ca. 100 Jahren wird bei uns am Heiligen Abend faschiertes Hendl mit Mayonnaise verzehrt. Das klingt einfacher als es ist. Viele Freunde haben schon konsterniert die Brauen hochgezogen und mich gefragt: „Hendl faschiert? Wie geht das denn? Und – ist das wirklich gut?“

Tja, alle die davon probiert haben, waren restlos begeistert. Man kann es sich ein wenig wie eine Geflügelpastete vorstellen, die nach stundenlanger Arbeit mit einem Schöpfer selbst geschlagener Mayonnaise hübsch angerichtet auf den Teller kommt. Das Rezept kann ich leider aus familiengeheimnistechnischen Gründen nicht verraten, nur soviel sei gesagt: Man nehme 2 Suppenhühner und koche sie 3 Stunden lang, bis sich das Fleisch von den Knochen löst. Das noch heisse Fleisch wird sodann durch den Wolf gedreht und so weiter und sofort …

Die dazu gereichte Mayonnaise hat mit der fetten chemischen Paste, die aus der Tube kommt, gerade einmal den Namen gemeinsam. 10 Dotter werden mit Rindsuppe und anderen geheimnisvollen Gewürzen über Wasserdampf warm geschlagen, bis sich eine mollig-schaumige Masse ergibt, die man dann etwa eine Viertelstunde im kalten Wasserbad auskühlen lässt. Als wären das nicht schon Kalorien genug, gibt es als Nachspeise Weinsulz mit Kaffeeecreme. Das alles stammt aus dem Rezeptbuch meiner Urgrossmutter und wehe dem, der es wagt, auch nur anzudeuten, dass man vielleicht unter Umständen einmal mit der Tradition brechen könnte und vielleicht einen Karpfen …

Mittlerweile haben auch die angeheirateten Familienmitglieder resigniert, weil sie intelligenterweise den Weihnachtsfrieden nicht über Gebühr stören wollen und ausserdem: Gegen mich und meine Schweter haben sie leider gar keine Chance.

Frohes Neues Jahr Ihnen allen!

Text: Bibi Stift

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