Kulinarium. Der Geschmack von früher.

Bibi Stift über die neue alte gute Küche.Die Sonntage waren Festtage. Es gab zumindest immer irgendetwas Gebackenes. Wenn der Vater zufällig über einen Fasan „gestolpert“ war, hing der solange auf der Kellerstiege, bis die prächtige Schwanzfeder fast von selber hinunterfiel. Bis er endlich auf dem Tisch stand, herrschte Aufregung. Wir Kinder durften ihn rupfen, der Vater überwachte mit Argusaugen unser Treiben, bis endlich Mutter ins Spiel kam.

„Weg mit Euch!“, rief sie kategorisch. „Jetzt gehört der Vogel mir!“

Fast zärtlich nahm sie das federlose Vieh in ihre Hände, entfernte die Innereien und spickte den Vogel mit einer langen Nadel und dem fettesten Bauchspeck, den man sich nur vorstellen kann. Dann schnitt sie Sellerie, Karotten und Zwiebel, tat alles zusammen in eine Rein und schob den Braten in den Ofen. Noch heute weiß ich, wie es gerochen hat und gebrutzelt.

In der Zwischenzeit richteten wir Preiselbeerbirnen. Die Hauptarbeit, das Zubereiten der Kroketten, lag immer in den Händen meiner Mutter. Gekochte, mehlige Erdäpfel wurden noch heiß gepresst, mit Eiern, Mehl und Butter vermischt und gewürzt. Eine Heidenarbeit war das „Wuzeln“ und wohlweislich sind wir Kinder aus der Küche geflüchtet, weil sehr schnell geflucht wurde, wenn es nicht so glatt ging, wie sich Mutter das vorgestellt hatte. Der Vogel, weil wildlebend und nicht fett, brauchte etwa eineinhalb Stunden, um gar zu sein. Der Speck machte den Braten wohlschmecken und mürbe. Dazu gab es meist Rotkraut und besagte Kroketten.

Ich muss gestehen, dass wir zu viert manchmal mit 30 dieser köstlichen Erdäpfelgebilde nicht genug hatten, weil wir sie auch noch am Nachmittag mit Apfelmus oder einfach so verzehrten. Wenn wir Kinder allein waren, haben wir uns oft Erdäpfelteig gemacht und ohne Panade ins heisse Fett geworfen. Diese Erinnerungen hab ich mir beibehalten und freu mich jeden Sonntag. Auf einen guten Braten. Und den Geschmack von „früher“.

Text: Bibi Stift
Bild: 123rf.com

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