Kulinarium. Von den Suppen.

Appetitliche ErbsensuppeIch hab mir gerade eine kräftige Hühnersuppe gekocht, nachdem ich 2 Stunden mit dem Hund bei Eiseskälte und Wind draußen war. Hühnersuppe ist ja das Allheilmittel schlechthin: bei rinnender Nase und Halsschmerzen wird sie empfohlen, bei fiebrigen Erkältungen und Zipperleins aller Art. Selbst bei depressiven Verstimmungen soll sie gut sein – es gibt sogar ein Buch, das sichHühnersuppe für die Seele“ nennt. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen soll der regelmäßige Genuss gekochter Hühnerfüße auch Bluthochdruck senken.
Na bitte.

Rein intuitiv wusste ich es ja immer schon: Jedes Mal, wenn ich (früher!) aufgrund der in langen Nächten konsumierten Wein-oder Biermenge, am nächsten Morgen mit einem veritablen Kater erwachte, hab ich mir ein Süppchen gebraut, um meine angegriffenen Magennerven versöhnlich zu stimmen. Dazu gehörte natürlich ein Besuch des nahen Bauernmarktes, wo ich mich mit frischem Wurzelgemüse, besagtem Huhn und im Zuge dessen einer gehörigen Portion frischer Luft eindeckte. Als ich dann zu Hause das Huhn zerlegte, Gemüse schnippelte und schwor, das nächste Mal auf den Abschlussgrappa zu verzichten, ging es mir meist schon erheblich besser. Hühnersuppe muss ganz langsam und bedächtig im Topf köcheln; zwei Stunden muss man schon rechnen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Sie gibt dem geschundenen Körper Vitamine, Mineralstoffe und Flüssigkeit zurück – außerdem lenkt die Zubereitung davon ab, ständig zu bedauern, wie hangovered man doch wäre.

Mittlerweile habe ich dem exzessiven Nachtleben beinahe abgeschworen, trotzdem bin ich ein erklärter Suppenkasper (oh nein, ich gendere jetzt nicht) und vor allem in der kalten Jahreszeit schmeckt mir eine Suppe fast immer. Ich rede hier nicht von dünnem, glutamatlastigem Packerlsuppenpulver, das man sich schnell einmal in die Tasse streut oder von Dosensuppen, die alle gleich riechen, wenn man sie öffnet. Ich rede von cremigen Pilzsuppen, die nach Wald und Herbst schmecken, mit Erdäpfeln, echten Steinpilzen, Eierschwammerln und einem Hauch Sauerrahm. Ich rede von Klachlsuppe mit Heidensterz, jener steirischen Spezialität, die so nahrhaft ist, dass sie als eigenständiges Gericht durchgeht, weil man nach Genuss derselben höchstens noch ein klitzekleines Stück Apfelstrudel verzehren kann – oder einen Slibowitz. Oder Flecksuppe – aus feingeschnittenen Kutteln zubereitet, leicht papriziert und mit einer Lorbeernote, dazu ein frisches Stück Brot. Rahmsuppe, die früher bei den Bauern zum Frühstück gegessen wurde – Bouillon mit Ei, für die, die es am Magen hatten – Selleriesuppe mit gerösteten Schwarzbrotwürfeln und Haferflockensuppe mit Möhrchen. Ich liebe sie alle!

Eine selbst gemachte Rindsuppe mit Lungenstrudel kann mir den Tag retten – die Leberknödelsuppe ist mein persönliches Non-plus-Ultra und eine ganz banale Fritattensuppe wird zum Fest, wenn man im Beisein der Familie Palatschinken bäckt und in der Pfanne wendet, indem man sie hoch in die Luft schleudert. Nur wegsehen darf man nicht: Da kann es schon passieren, dass man sich vorkommt wie der berühmte Sisyphos, weil der Göttergatte und die Neffen befinden, dass sie am besten schmecken, wie sie sind: Frisch aus der Pfanne!

Text: Bibi Stift
Bild: Fo­to­lia, Grahammer

2 comments on “Kulinarium. Von den Suppen.

  1. Genau auf den Punkt getroffen, liebe bibi 🙂

  2. danke, Elisabeth!

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