Küchenkunst. Iris Porsche Restaurant.

Iris Porsche RestaurantAm Mondsee und vor allem in Mondsee gibt es einige gute Gasthäuser und Restaurants, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt. Das Iris Porsche Restaurant, direkt am Marktplatz gelegen, hebt sich in einigen nicht unwesentlichen Details ab und das auf sehr angenehme Art und Weise.

So manchem Hotelrestaurant begegnet man eventuell mit gemischten Gefühlen; sie zählen im Allgemeinen nicht zu den Favoriten – bis auf einige, wenige Ausnahmen – unserer professionellen Restaurantkritiker, können oftmals auch nicht mit wirklich guter Küchenkunst mithalten und vermitteln manchmal auch nicht allzu viel Wohlfühlcharakter. Hier haben wir aber eine dieser wenigen Ausnahmen, nicht nur wegen der beiden Gault Millau – Hauben (auch im GM-Führer 2015 mit 16 Punkten und 2 Hauben ausgezeichnet), die sich das Küchenteam seit Jahren ehrlich verdient, sondern einfach wegen des kompletten Angebotes, das hier geboten wird. Quasi, wegen allem.

Das Ambiente würde sogar einen Extrempuristen erfreuen, einen für den Design gar keine Rolle spielt. Mit einem Blick: Äußerst geschmackvoll eingerichtet, jedes Detail ist am richtigen Fleck. Da ist alles perfekt aufeinander abgestimmt, fügt sich ohne jeglichen Zwiespalt ineinander ein. Mit Ambiente und Wohlfühlcharakter allein wird ein Restaurant aber wohl kaum punkten. Diese Kriterien können zwar den Gesamteindruck beeinflussen, aber letztendlich kommt es auf die Küchenkunst und das Service an. Iris Porsche hat hier nicht nur ihre persönlichen Vorstellungen eines gediegenen Stils verwirklicht, sondern auch das Gesamtkonzept eines funktionierenden Restaurants gut durchdacht und perfekt umgesetzt. Seit dem ersten Betriebstag lautet das Küchenmotto, „gehobene Küchenkultur, bodenständig, kreativ zubereitet mit Grundprodukten aus der Region“. Es wird möglicherweise genau diese Bodenständigkeit mit Finesse sein, die dem Küchenteam kontinuierlich Lob und Auszeichnungen beschert.

Der seit Oktober 2014 amtierende Küchenchef, Klaus Kobald, ist in Gourmetkreisen kein Unbekannter. Immerhin konnte er seine Kochkünste in England bei Pierre Koffmann, dem einzigen Drei-Sterne-Koch Großbritanniens, verfeinern und bei Größen wie Gordon Ramsay und im berühmten Fat Duck, einem der besten Restaurants weltweit, unter Beweis stellen, bevor er in Österreich so manchen Gourmet kulinarisch erfreute. Seine Kochkünste wurden erstmals in den Sazianistuben mit einem Michelin-Stern entsprechend gewürdigt. Mit Klaus Kobald hat Iris Porsche einen vielversprechenden Küchenmeister ins Team geholt, der das Rüstzeug hat, für viele weitere Höhenflüge zu sorgen.

Iris Porsche MondseeDie gebotene Küchenleistung bei unserem Besuch im November 2014  konnte sich sehen und vor allem mit Genuss verspeisen lassen. Wirklich sehr gut und teilweise sogar ausgezeichnet, was da aus der Küche kam und zum Glück ohne fragwürdige „Kreativitätsausrutscher“. Die einzige, nicht ganz so stimmige Kreation, war vielleicht ein konfiertes Steinpilzcarpaccio mit Bratkartofferl, Herbsttrüffel und Wildkräutersalat. Meines Erachtens waren die Kräuter ein klein wenig zu vordergründig, die Trüffel dadurch etwas unterdrückt und den Steinpilzen wurde dadurch ein wenig der Charakters genommen. Im Gegenzug war die Entenleber im Granny Smith mit Balsam-Zwetschkenessig gelee und Kerbelknollen-Zitrussalat absolut stimmig oder besser gesagt, ein wahres Gedicht! Und auch das Maronischaumsüppchen mit Apfel-Karamellpüree und Crostinis schmeckte genau so wie es sein soll, einfach nur fein und gut! Das pochierte Bio-Ei mit grünem Spargel, Sauce Carbonara und Herbsttrüffel stellte nicht nur eine interessante Kreation dar, sondern war so schmackhaft und delikat, dass ich es wohl noch lange in Erinnerung behalten werde. Und das Kalbsfilet mit Markkruste, Erdäpfel-Salbeignocci, Jungspinat und Waldpilzen war einfach nur  vorzüglich. Perfekt auf den Punkt gebracht, zartrosa, auf der Zunge zergehend und passend begleitet von den Beilagen. Und letztendlich Wildhase geschmort und Wildhase gebraten mit Quitte, Schalotten und Selleriepüree. Zwei unterschiedliche Zubereitungsarten für einen Gang, da werden die Sinnesorgane schon ein wenig ge- aber keines Falls überfordert, denn die geschmackliche Abstimmung war perfekt.

Alle diese wunderbaren Gerichte habe ich nicht alleine genossen, wir kosteten vielmehr jeweils das Gericht des anderen. Andernfalls wäre die Speisenverkostung in dieser Reichhaltigkeit nicht möglich gewesen, denn die Portionen sind ausnehmend groß. Daher wählten wir – denn Käse schließt bekanntlich den Magen, zum Ende hin eine Käsevariationen mit verschiedenen Chutneys und Rosinenbrot und als zweites Dessert Süßes von Feige und Vanille mit Feigen Sangria. Alle Käse schmeckten ausgezeichnet und sorgten für opulente Sättigung, daher kann ich zum süßen Dessert nur die Worte meiner Begleitung zitieren: „sehr gut, tolle Harmonie von Feige und Vanille“.

Nicht nur die herausragende Küchenleistung und das gediegene Ambiente verdienen Lob und Anerkennung, auch das Servicepersonal überzeugt mit Freundlichkeit, Charme und Kompetenz. Die Speisen werden charmant und vor allem richtig avisiert, die Weinempfehlungen orientieren sich immer an den Vorlieben der Gäste – im Einklang mit den Gerichten. Der Sommelier verdient zusätzliches Lob, schon weil er nicht versucht hat, uns für die Hauptgänge einen Rotwein als perfekte Weinbegleitung anzubieten. Schon weil der Riesling Smaragd Steinertal 2008 vom Alzinger vom ersten bis zum letzten Gang perfekt passte.

Fazit: Das gesamte kulinarische Angebot zeichnet sich nicht nur durch genussvolles Speisen im gediegenen Ambiente aus, sondern auch durch ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis. Wer eine weitere Anreise hat, sollte sich trotzdem nicht abhalten lassen hier mit Genuss zu speisen, denn im gleichnamigen Hotel kann stilvoll genächtigt werden und das selbstverständlich mit höchstem Komfort und Wohlgenuss.

Text und Bild: Andy Bigler

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