Kremstal. Ein Starmaniac ohne Starmania.

Kremstal, Riede Gottschelle

Riede Gottschelle

Wie bereits in einem vorherigen Statement erwähnt, kennt das Weingesetz in Österreich sogenannte DACs. Diese ‚Districtus Austriae Controllatus‘ gibt es in vielen heimischen Weingebieten – und eben auch im schönen Kremstal. Ich persönlich bin wie so viele andere ein großer Fan des Kremstales. Und nicht nur der Weine wegen, hier gibt es wunderbar schmelzige und fruchtige Protagonisten, nein, auch wegen der Landschaft und der Leute.

Wie man dem Bild der Riede Gottschelle vielleicht schon entnehmen kann: Hier sagen sich weniger Fuchs und Has‘ Gute Nacht als vielmehr die Natur und der Mensch Guten Morgen. Das weitläufige, grüne Ambiente mit den prächtigen, fast ausufernden Rieden verschmilzt mit dem heimatlichen Landschaftsbild, das den Eindruck von Langsamkeit und auch Achtsamkeit und bedächtigem Tun vermittelt. Wenn man sich darauf einlässt, kann man erahnen was die Menschen hier antreibt, was sie dazu bringt, so gute bis herausragende Weine zu keltern. Und was sie auch zu so offenen und freundlichen Zeitgenossen macht, so wie ich sie kennenlernen durfte.

Der pannonische und der kontinentale Klimazug treffen hier am südlichen Ende des Waldviertels zusammen. Diese beiden kraftvollen Einflüsse mit den grossen Wasserreserven der, das Kremstal durchfließenden, Donau und den daraus resultiernden Temperaturunterschieden, erzeugen ein Klima, das die Trauben langsam und bedächtig zu grosser Reife und zu besonderen Kreszenzen werden lässt. Dort, im Kremstal spricht man von drei verschiedenen Subregionen: Das Kremstal, die Lagen der Stadt Krems und diejenigen östlich der Krems. Jede der drei Bereiche hat ihre eigenen Qualitäten, die sich durch ihre jeweils verschiedenen geologischen und klimatologischen Gegebenheiten auszeichnen. Hier findet man von Urgesteinsböden, über Schotter bis hin zu Sand alle Terroirs, die in Folge auch die großen Lagen der Region bilden.

Eine wohl mehr als tausendjährige Tradition im Weinmachen, seit den Kelten und Römern, wird von den heutigen Winzern mit viel Bedacht fortgeführt. An manchen der grossen Lagen kennt man den Anbau der Reben schon seit vielen, vielen Generationen. Und hier zeigt sich auch, wie wertvoll die Pflege der alten Traditionen sein kann, denn heute schmecken wir das fruchtige Ergebnis dieser Liebe im Glas. Viel feiner Fruchtschmelz und große Kraft, differenzierte Würze, regionaler Ausdruck und vor allem die umfassende Aromenvielfalt zeichnen die feinen Kremstaler Gewächse aus. Kennen sie Kremstal?, wäre die Frage, wenn ich ihnen Weine der Kremstaler Top-Winzer unter die Nase halten oder besser gleich einschenken dürfte. Die Falstaff Kremstal DAC Trophy des Jahrganges 2011 wurde von den drei Weingütern Türk, Malat und Geyerhof gewonnen; alle drei mit 91 Punkten, was schon von sich aus eine Lanze für die Region bricht.

Die Spitze wird natürlich vom Grünen Veltliner und vom Riesling gebildet, der Veltliner der sich auf den Urgesteinslagen wie zu Hause fühlt hat hier schon, mineralisch und kräftig, viele Gläser gefüllt und Zweifler überzeugt. Aber auch der Sauvignon Blanc, der sich auf manch fettem Lehmboden wie beispielsweise dem Wolfsgraben wohlfühlt, oder ein Weißburgunder oder Chardonnay, die hier auch ihre eigenen Plätze haben, ist zu finden. Und auch Rotweinsorten wie Zweigelt, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon kommen an der einen oder anderen Riede zum Zug – und liefern tiefe, interessante und für sich sprechende Weinerlebnisse.

Gern würde ich ihnen hier auch gleich die passenden Verkostungen dazu präsentieren. Allein, so viele wie wir gerne möchten, wird es wohl auf dieser Magazin niemals geben. Aber wir arbeiten daran.

Weiter zu Teil 2.
Text: Gregor Klösch
Foto: Kremstal Wein

 

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5