Das süße Leben. Patissier aus Leidenschaft.

Konditor und PatisserieMüde und geschafft vom Tag bin ich noch an den letzen Vorbereitungen für den nächsten Morgen, um dann endlich den ersehnten Feierabend zuhause ausklingen zu lassen. Bei jedem einzelnen meiner Kollegen, lässt sich die Müdigkeit heute schon im Gesicht ablesen. In meinem Kopf geistern viele Situationen und Fragen herum:
Heut war viel los. Die Törtchen gingen weg wie nix, und auch Desserts hatte ich gut verkauft. Genießen die Gäste überhaupt noch? Oder ist es wieder nur ein kurzer Stop um mit dem Touristenprogramm gleich weiter fort zu fahren. Wird meine Qualität und der große betriebene Aufwand überhaupt noch wertgeschätzt? Eigentlich könnte ich doch viel schnellere, viel einfachere Kuchen und Törtchen machen, wie bei der Großmutter – die schmecken doch auch ohne aufwendige Füllung und perfekter Präsentation. Die Beine schmerzen, und auch die To-Do-List für morgen ist schon wieder elends lang.

Während ich mit meinen Gedanken beschäftigt bin, unterbricht mich die Kollegin aus dem Service und fragt vorsichtig: „Du, dieses neue Törtchen was du da heute kreiert hast – ist da eventuell noch ein Stückchen zum Verkosten da? Das schaut so super aus – und die Gäste hatten es hoch gelobt.
Sofort werden aus meinen so müden Augen wieder strahlend-leuchtende Augen und ich antworte hastig: „Ja sehr gerne! Das müsst ihr kosten!“ Und schnell fertige ich das Törtchen perfekt – genau wie die vorigen auch – und gebe es meiner Kollegin zum Kosten. Sie hopst mit dem üblichen beschwingten Schritt und jetzt zusätzlich mit einem breiten zufriedenen Grinsen davon. „Danke!“, ruft sie mir zu, „Du bist meine Rettung heute.“ Das fügt sie noch erleichtert und glücklich über die Schulter hinzu.

Mit einem zufriedenen Lächeln widme ich mich wieder meiner Arbeit, nichts ahnend und doch ein wenig neugierig, wie es denn ankommt, mein Törtchen. Ein Blick um die Ecke verrät: Es haben sich sämtliche Kollegen rund um die Kostprobe versammelt. Man kann vorerst nur das Klirren der Kuchengabeln hören – und dann wird es ruhig.

Von beginnendem leisem Stöhnen, wie „Mmmmhhh“ und „Bhoa – is des guat“ wird es immer lauter und die abwechselnden Kommentare sind schon fast wie eine Konversation, „Mah, so cremig“, „Mmh und so fluffig“, „Hast Du diese leicht flüssige Karamellsoße schon probiert?“, „Und wie das auf der Zunge zergeht!“, „Des is sicha voll de Kalorienbombe!“, „Egal, es is a Traum, ein Traum!“, „Wie macht sie das?“

Ja. Wie macht sie das???

Ich hatte die Arbeit beiseite gelegt und lauschte dem offensichtlich so freudigen Ereignis mit einer, nach meiner Erschöpfung des Tages nun wieder aufrechten Haltung – und breitem Grinsen. Meine Kollegen, eigentlich augebrannt für heute, konnten sich kaum fassen, fast schon ein wenig übertrieben – wie ich fand. Kann schmackhaftes Süßes wirklich so motivieren? Der müde und teilweise vom langen Tag bereits genervte Gesichtsausdruck der Kollegen war von einem zufriedenem Lächeln verdrängt …

Wie ich das mache? Es ist die Leidenschaft zartschmelzende süße Sünden zu kreieren!

Text: Elisabeth Mair
Bild: alein / 123RF Stock Photo

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