Kochen wie ein Unternehmer

Entrepreneurship und das Kochen, Clemens Böge, WienKochen hat immer einen großen Genussaspekt. Das es auch einen weiteren, einen grundlegend wirtschaftlichen, hat, darauf kommt man wenn man sich aus einem neuen Blickwinkel damit befasst: Denn es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten des Kochens. Bei beiden kommt etwas Schmackhaftes oder zumindest weitgehend Essbares heraus. Die Vorgehensweise und auch das genaue Ergebnis sind jedoch völlig unterschiedlich.

Die eine Variante kann man als zielorientiertes Kochen bezeichnen. Sie beginnt damit, saus dem Kochbuch ein Rezept auszusuchen, das mich anspricht. Anschließend schreibe ich eine Einkaufsliste und überlege, was ich wo am besten, günstigsten oder schnellsten bekomme. Wieder zurück in der heimischen Küche bereite ich das Gericht nach Anleitung zu und je nach Erfahrung und Talent kommt in etwa das heraus, was ich mir vorgenommen habe. Auch wenn es, Hand aufs Herz, nie genau so aussieht, wie die Abbildung im Buch.
Die andere Art zu Kochen beginnt mir einem Blick in den Kühlschrank: Was habe ich alles im Haus? Was ist noch so in den Schränken und was habe ich in der Vergangenheit schon gekocht, welche Erfahrungen habe ich? Nun überlege ich, was ich mit diesen (Lebens-)Mitteln anfangen kann und kreiere ein Gericht, das es so vielleicht noch nie gegeben hat. Vielleicht verändert sich das Gericht auch im Laufe des Kochprozesses, weil ich unterwegs neue Ideen habe oder etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe. Zumindest weiß ich vor dem Öffnen des Kühlschranks noch nicht, was heute auf den Tisch kommt. Diese Variante kann man als mittelorientiertes Kochen bezeichnen und sie hat große Ähnlichkeit mit dem Denken und Handeln erfahrener Gründer und Unternehmer.

Diese Entrepreneure beginnen ein Vorhaben nämlich sehr häufig nicht mit der klaren Definition eines Ziels, sondern mit der Frage, welche Mittel ihnen zur Verfügung stehen. Insbesondere, wenn die Rahmenbedingungen von Ungewissheit geprägt sind, wenn Prognosen und Vorhersagen schlecht funktionieren, hat eine solche erkundende Vorgehensweise große Vorteile. In der Literatur wird diese unternehmerische Logik als Effectuation bezeichnet und sie ist also solche wissenschaftlich erforscht und fundiert. Die grundlegenden, handlungsleitenden Prinzipien sind die folgenden:

– Das Prinzip der Mittelorientierung, oder: Start with what you have: Beginnen Sie Vorhaben mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, nicht mit fixen Zielen.
– Prinzip des leistbaren Verlusts, oder: Risk little, fail cheap: Orientieren Sie Ihren Einsatz daran, was Ihnen der Versuch wert ist und nicht daran, wie groß der Ertrag sein könnte.
– Prinzip der Umstände und Zufälle, oder: Leverage surprise: Nutzen Sie Ungeplantes als Gelegenheit, anstatt sich dagegen abzugrenzen.
– Prinzip der Vereinbarungen und Partnerschaften, oder: Form partnerships: Arbeiten Sie mit denen zusammen, die bereit sind mitzumachen und verbindliche Vereinbarungen einzugehen, anstatt den richtigen Partner zu suchen.

Um sich in der Kunst des unternehmerischen Kochens zu üben, empfehle ich den Bezug des Adamah Biokistls. Jede Woche kann ich mich auf diese Weise von einen ganzen Korb voll Obst und Gemüse überraschen lassen. Und bisher ist noch immer etwas Leckeres dabei heraus gekommen.

Bild und Text: Clemens Böge

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