Kaffee und Koffein. Die Dosis machts.

Kaffeeröstung

Kaffeeröstung

Meine Blicke schweifen gerade über eine Vielzahl gut gelaunter junger Leute die ihre Mittagspause nutzten und die Sonne auf bequemen Korbstühlen vor einem modernen kleinen Café mitten in Linz genießen. Die rasch und liebevoll zubereiteten, äußerst appetitlich angerichteten Kleinigkeiten scheinen zu schmecken und lassen in der stets zu knappen Pause noch Zeit für den stärkenden Kaffee, der einem die letzte Etappe eines Arbeitstages gut gelaunt schaffen lässt. Wenngleich sich meine Gedanken an diesem Ort und der sonnigen Stimmung hier leicht ablenken lassen, halten sie gerade an meinem Abgabetermin für diesen Artikel fest.

Die stärkende Wirkung von Kaffee, die wir im Besonderen für die zweite Tageshälfte schätzen, verdanken wir einerseits der seelischen Belohnung, die wir uns verdient haben und andererseits einem Alkaloid namens Koffein. Ein basischer Pflanzenstoff, der im tierischen und menschlichen Körper wirkt. Die Entdeckung verdanken wir dem deutschen Chemiker Friedlieb Runge, angestiftet von seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe mit der Begeisterung für das Lieblingsgetränkes des großen Dichter. Goethe zählte 60 Bohnen für seine Zubereitung und schätzte seine den Geist beflügelnde Wirkung, wie viele kreative Menschen, überaus. Doch die unabdingbare Voraussetzung für den Beruf des Chemikers ist nun einmal die Neugierde allen Wirkungen auf den Grund zu gehen und so kennen wir dieser Wirkstoff bereits seit Beginn des 19 Jahrhunderts.

Je nach Tagesverfassung, körperlicher Konstitution und persönlicher Verträglichkeit darf man dem Koffein eine Wirkungszeit von circa 3 Stunden zugute rechnen. Für diese Zeit wird der Ausstoß von Adenosin gehemmt, jener Botenstoff, der uns signalisiert, dass wir müde werden. Es genügt eine geringe Dosis um diesen Effekt zu erzielen. Eine größere Menge davon kann die Wirkung nicht verstärken, sondern nur nach den erwähnten drei Stunden durch neuerliche´Zuführung verlängern.

Eine weitere Eigenschaft des Koffein ist das Erhöhen des Ausstoßes von Adrenalin, was uns, wiederum in guter Verabreichungsmenge, die aber sehr individuell empfunden wird, lebendiger macht. Ein Zuviel jedoch bringt sehr unangenehme Erscheinungen mit sich, etwa Unruhe, Zittern und Hitzewallungen können sich einstellen. Dies sind im Allgemeinen, so sie richtig eingesetzt werden, die erwünschten Nebeneffekte, aber eben wie gesagt von jedem ein wenig anders aufgenommen. Was dem einen schon ab fünf Uhr Nachmittag die Schlafstunden raubt, erlaubt dem anderen noch den kleinen Schwarzen vor dem Schlafen gehen. Für mich ist es der Genuss, die kleine Belohnung fürs Tagewerk. Etwas das dieses Mehr an Lebensfreude mit sich bringt und die Lebensgeister erneut erweckt.

Text: Peter Steininger
Foto: Steininger

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