Den braunen Bohnen einen würdigen Platz.

Peter Steininger, Petrus KaffeeröstereiEin würdiger Platz für die braune Bohne ist hier in der Weinpresse gefunden. Ein Platz, an dem sich Menschen mit gesunder Wahrnehmung treffen, die allesamt eines verbindet: Genuss. Was für ein Wort! Laut Wikipedia eine positive Sinnesempfindung – hier beschränkt auf alle Stimmungen, die sensorische Wahrnehmungen zu beeinflussen vermögen. Und bei allem was uns Genießern gemein ist, haben auch die Traube und die Bohne einiges an Gemeinsamkeiten aufzuweisen.

Dem bereisten Connaisseur vermag es nur ein inneres Nicken entlocken, wenn ich behaupte, überall wo unsere Genussmittel gedeihen, fühlen auch wir uns wohl. Umringt von sattem Grün, durchbrochen von grünen, gelben und roten Trauben, würzig warme Luft in der Nase und unsere Blicke verfolgen den Lauf blauer Lebensadern am Fuße bergiger Hänge, ein kleiner Heuriger, ein kleines Cafe… das klingt wie ein Reisebericht aus Goethes Feder. Doch die Grundsubstanz beider Getränke entsteht eben aus einer gesunden Natur – mineralhaltigen Böden, warmen Temperaturen und hohem Niederschlag. All diese Bedingungen verbunden mit dem Wissen, der Erfahrung und der besonderen Sorgfalt derer, die diese Pflanzen aufziehen, pflegen und die Früchte zum besten Zeitpunkt ernten.

Die Trauben für den Wein werden gepresst, die Kerne für den Kaffee auf verschiedenerlei Arten aufbereitet. Mit dem besten Material ausgestattet beginnt nun das Veredeln. Beim einen der Kellermeister, beim anderen der Röster. Es ist stets der Versuch, mit allem Wissen und dem Bekenntnis zur Qualität das charakteristisch Beste aus dem Naturprodukt zu machen und natürlich mit einer persönlichen Note zu versehen. Und mit etwas Erfahrung gelingt das oft auch. Für mich, und ich denke auch für jeden Winzer, ist der Moment der Fertigstellung, die Fassprobe, oder in meinem Fall wenn die braunen Bohnen ins Kühlsieb rieseln, ein zutiefst zufriedenstellender, ja beglückender Moment. Seinen Teil dazu beigetragen zu habe, damit Menschen mit einem gelungenen Produkt Genuss empfinden.

Doch nun, während sie, geneigter Leser, nun ihr perfekt temperiertes Glas an die Lippen führen, kann ich es mir von der Seele schreiben: Der Wein vor euch ist fertig in der Flasche. Gut – an der Temperatur könnte man noch justieren und vielleicht doch das Burgunderglas verwenden? Und auch die richtige Gesellschaft gesucht um ihn zu trinken? Aber letztendlich, der Wein ist, wie er ist und der Winzer freut sich wenn er schmeckt. Doch der Röster bangt noch etwas im Hinblick auf die Zubereitung – deren Gewissenhaftigkeit er in der Genießer Hände legt.

Zum Thema Zubereitung werden wir in nächster Zeit hier den einen oder anderen Hinweis und Tipp lesen können, meine Empfehlung vorab, und das braucht niemandem Angst zu machen lautet: Legen sie dabei die selbe Sorgfalt in die Behandlung der Bohnen wie es jeder andere vor ihnen auch getan hat.

Wein wie Kaffee begleitet uns stets bei leichter Plauderei, schweren Entscheidungen, emotionalen Momenten oder zum Zeitvertreib im leichten Leben. Für einen Kaffee wie auch für ein Glas ist immer Zeit, so es schmeckt. Bleiben sie mir als Leser gewogen und begleiten sie mich auf eine Entdeckungsreise durch die Welt des Kaffees. Es warten 70 Anbauländer, eine Vielzahl an Lagen, Anbauhöhen, Sorten, Aufbereitungen, Röstungen und natürlich Zubereitungen – und begeben wir uns auf den Weg vom Aufputsch- , über Lebens- hin zum Genussmittel.

Text: Peter Steininger, Kaffeerösterei Steininger
Bild: Steininger

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