Jörg Bretz. Gespräch mit einem Grenzgänger.

Jörg Bretz, Carnuntum

Jörg Bretz, Weinmacher und Querdenker

Wenn sich Jörg Bretz mit einem kleinen Lächeln in den Sessel fallen lässt und dabei mit ruhigem Blick den Raum und die Umgebung mustert, kann man sich schon vorstellen, dass dieser Mann die Ruhe und den langen Atem hat, den es braucht wenn man Weine seiner Art macht.

Auf die Frage, was seine Weine ausmacht, meint er: „Worum es geht, ist einerseits die Reifung. Ich sage, lasst dem Wein seine Zeit. Und andererseits geht es darum genau in den Weingarten zu schauen. Du musst als Weinbauer wissen, was in deinem Weingarten geschieht um schnell und exakt reagieren zu können. Und man muss auch das nutzen, was uns die alten Weingärten bieten können. Ich selber möchte nie alte Reben roden müssen, ich nutze viel lieber das, was uns die Natur an Kraft und Möglichkeiten bietet.“ Und das hätte er schon früher in seiner Zeit in Italien, im Piemont, gesehen, da war noch keine Rede von eigenen Weinen. Und was er auch früher schon gelernt hätte, war Geduld und einen langen Atem zu haben. Kaum ein österreichischer Winzer hat den Nerv und vielleicht auch den Mut so lange und intensive Reifezeiten einzuplanen. In seinem Repertoire gibt es Weine, die bis zu acht Jahre im Holz verbracht haben. Und das ist für österreichische Verhältnisse ungewöhnlich und wohl einzigartig. „Wir brauchen nicht nur die Primäraromen, nein, auch die weitere Entwicklung ist interessant. Ganz abgesehen davon, dass ältere Weine oftmals bekömmlicher sind und auch als Speisenbegleiter ganz neue Möglichkeiten erschließen.“, schwärmt der Winzer.

Jörg Bretz, CarnuntumDer gebürtige Hesse, erzählt von seinen Praktikumsjahren bei großen Namen wie Bründlmayer und Gernot Heinrich. Dort hätte er sich seine Sporen verdient und viel über die Qualitäten und Macharten des österreichischen Weines gelernt. Das Arbeiten mit den autochthonen Sorten in ihrer ureigensten Umgebung war ein großartiger Lernprozess, der auch seinen eigenen Weinen einen Stempel aufgedrückt hat. Und wenn er von seinen internationalen Erfahrungen spricht, wird sein Ton rauher: „Wenn da die Amerikaner, die Franzosen oder die Deutschen kommen und uns erzählen wollen, wie wir es besser machen sollen, dann können wir mit diesen Informationen leider nicht viel anfangen. Das alles funktioniert hier nicht. Wir haben hier kontinentales Klima, da ist alles anders. Hier im Osten hat man ganz spezielle Gegebenheiten, das war schon immer so.“ Und was den Unterschied oftmals ausmacht, hätte er auch schon von seinen Auslandsjahren mitgenommen und hier wieder umsetzen können: „Man muss sich den Wein in seiner ureigensten Umgebung erschließen, das Klima, den Boden, das Alter der Reben und vor allem die Menschen und ihre Kultur mit ins Kalkül ziehen.“ Nur dann könne man aus den lokalen Gegebenheiten das Optimale herausholen, meint er.

Teil 2: Jörg Bretz, Weinmacher und Querdenker.

Bilder: Bretz

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