Jacqueline Klein. Dicht und etwas rauh.

Jacqueline Klein, NeusiedlerseeDen ersten Teil des Winzerportraits finden Sie hier.

Ihren persönlichen Arbeitsschwerpunkt sieht Jacqueline Klein tendenziell eher im Keller. Und – ganz pragmatisch – mit der langjährigen Erfahrung der familiären Weingartenprofis im Rücken, muss das Produkt im Keller auch entsprechend schnell und gut weiterverarbeitet werden. Da ist es wichtig schon eine Idee im Kopf zu haben, wie der neue Jahrgang letztlich aussehen soll. Denn nur mit beiden Faktoren, Weingarten und Keller, können die Weine so werden wie die Winzerin sie haben will – und das hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Stolz kann sie heute durch die große Halle ihres Kellers gehen: Damals, 2009, beim Start in den ersten Jahrgang, standen hier gerade einmal 6 Barrique-Fässer, heute füllt die Winzerin einen großen Teilbereich ihrer Halle mit amerikanischer und französischer Eiche. Hier fühlt sie sich wohl, hier experimentiert sie auch mit frischen Sorten und neuen Cuvéetierungen, hier wird verkostet und kreiert, gefüllt und etikettiert. Das ist die Welt der Jacqueline Klein. Spürbar.

Voll Leidenschaft erzählt sie davon, dass die schönste Zeit für sie aber eigentlich die Lese im Herbst sei. Wenn Kisten voller Trauben am laufenden Band eintreffen, wenn die Weinmacherin an allen Ecken und Enden gleichzeitig gefordert ist, wenn das gelesene Material sofort weiterverarbeitet werden muss und sie Tag und Nacht im Weingut zu tun hat. Dann fühlt sie sich in ihrem Element, dann kann sie auch ihr ganzes Organisationstalent ausspielen, fühlt sich wach und lebendig, gespannt und lebenshungrig.

Jacqueline Klein, NeusiedlerseeDas Leben als Frau und Nachwuchswinzerin in einer Männerdomäne ist nicht immer  ganz leicht. Oft genug wurde sie in der ersten Zeit belächelt und nicht so ganz für voll genommen. „Wenn du als Newcomer und junge Frau auf einer Messe stehst und deine Weine verkaufen willst, ist es gar nicht so einfach die Aufmerksamkeit zu bekommen. Da muss dann einfach alles stimmen, der Auftritt, das Outfit, das Etikett.“, erzählt sie leidenschaftlich und sinniert lächelnd weiter, „Manche Kollegen haben einfach einige Zeit gebraucht um zu verstehen, dass auch Frauen perfekte Arbeit abliefern und gute Weine machen können.“

Die junge Frau wirkt durchaus klar strukturiert, sie ist eine die weiß was sie will und ihre Karten auf den Tisch legt. Klar, geradeaus und unverblümt. Sie macht keinen Bio-Wein, das würde auch gar nicht zu ihr passen. „Ich will die Kontrolle haben, ich will ganz klar vorgeben, wie der Wein zu schmecken hat.“, erklärt sie ganz direkt und bemerkt schmunzelnd, „Dazu bin ich vielleicht auch ein wenig zu konventionell.“ So straight und geradlinig sie auch wirkt, hat sie doch auch eine recht spielerische Seite. Denn bei ihren Weinen soll es immer auch Platz für Erweiterung und neue Entwicklungen geben. Beispielsweise hat sie sich selbst zur Eröffnung des Weingutes einen Wunsch erfüllt und eine Riede mit Cabernet Sauvignon ausgepflanzt, dessen Jungfernernte 2012 stattfand und der nun im offenen Holzfass vergoren wird. „Wir werden sehen, was damit wird. Das ist mein Spielbereich, da experimentiere ich und probiere Neues aus.„, erzählt sie und ist durchaus glaubwürdig wenn sie erkennen lässt, dass auch diese Seite eine Facette der Jacqueline Klein ist.

Es ist sichtbar, wie sehr ihre Gewächse auch ihre Kinder, Produkte aus ihrer Hand sind. Weich und samtig aber durchaus auch etwas rauh und kantig. Und immer mit Raum zur Entwicklung.

Bilder: Steve.Haider.com

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