Interview mit einem Geniesser

Laroche, Markt Piesting,Seit nunmehr zwölf Jahren führt Louis Pierre Laroche sein Feinkostgeschäft für französische Genusskultur in Wiener Neustadt. Die Weinpresse traf ihn, um mehr über ihn und sein Verständnis von französischer (Ess-)Kultur zu erfahren.

Herr LaRoche, was hat Sie als Franzose nach Österreich verschlagen?
Der Klassiker! Ich habe an der Sorbonne in Paris studiert, dort habe ich auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Gemeinsam sind wir dann nach Österreich gegangen, um weiter zu studieren – und sind geblieben!

Ihr ursprünglicher Plan war also nicht, die Genusswelt Frankreichs nach Österreich zu bringen?
Nein, dazu kam ich über Umwege. Im Sommer 2003 habe ich meine Vinothek eröffnet. Als Franzose, der Weine und Brände liebt, der den Genuss schätzt, wollte ich ausgewählte Produkte nach Österreich bringen, die nicht nur die Qualität vorstellen, sondern auch die französische Lebens- und Genusskultur versinnbildlichen. Mir ging es nicht nur um die Waren an sich, sondern vor allem um die Vermittlung von unserer Lebensart.

Was macht die französische Lebensart aus?
Mir geht es darum, zu zeigen, dass wir in Frankreich ausgezeichnete Produkte mit einer gewissen Eleganz, vor allem aber, einer gewissen Einfachheit genießen. Bei uns wird nicht jederzeit eine Art Hofprotokoll zelebriert; in unseren Ess- und Trinkgepflogenheiten sind wir ganz bodenständig. Wenn Franzosen zu einem Mittag- oder Abendessen einladen, dann wird weniger auf die Tafelkultur, als auf die Genusskultur geachtet. Wir essen gemeinsam über viele Stunden hinweg, das kennt man in Österreich weniger, hab ich festgestellt. Da lädt man eher zu Kaffee und Kuchen. In Frankreich ist das umgekehrt. Da gibt es selbstverständlich auch Kaffee – aber nachgereiht, zum Dessert.

Welche Genussprodukte kann man bei Ihnen finden?
Anfänglich war ich spezialisiert auf französische Weine und Spirituosen aus kleinen und mittleren Familienbetrieben. In Österreich und überhaupt im Ausland sind sie kaum bekannt, aber in Frankreich kennt man sie sehr gut. Diese Winzer und Brennereien haben viele Preise und Medaillen gewonnen, sie produzieren ausgesuchte Qualität und nachhaltig, und das möchte ich nach Österreich transportieren und damit auch französische Wein- und Spirituosenkultur erlebbar machen. Mir geht es nicht um die großen, ohnehin schon bekannten Weine, die auch nur zu hohen Preisen erhältlich sind. Mir geht es um kleinere, wenig bekannte Produzenten, die eine bestimmte Qualitätsstufe, also Appellation, vertreten, die in einem guten Preis-Leistungsverhältnis widergespiegelt wird. In Frankreich nämlich geht es immer nur um Appellationen, niemand redet über einzelne Rebsorten! Keiner würde sagen, er liebe Merlot, man achtet vielmehr nur auf die Typizität der Appellation!

Französischer Heuriger, LaRocheAber bei den Weinen und Spirituosen allein blieb es nicht?
2011 konnte ich viele Lieferanten und Kunden von einer Vorgängerfirma übernehmen. Nun findet man bei mir auch aromatisierte Öle, Fruchtfleischessige, Marmeladen, Sirup, Wurstspezialitäten, aber auch Gewürze. Mir geht es dabei um die Originalität der Produkte. Ich habe beispielsweise Fruchtessige von Chez Popol, die sind für eine gute Küche wie die Farbtöpfe für Maler! Ich beliefere Restaurants, die nur diese Essige für Ihre Küche bestellen! Aber ich führe auch andere ausgezeichnete Produkte, beispielsweise das Salz Guérandais. Es ist das einzige Salz, das den europäischen Urprungsschutz genießt und das tatsächlich auch biozertzifiert ist, was ja sonst unüblich bei Salzen ist. Außergewöhnlich sind auch die Marmeladen, die ich führe: Comptoir des Confitures! Diese Marmeladen sind nach Art der Könige gemacht: nur die besten Zutaten werden verwendet und alles ist Handarbeit! Und um das geht es mir bei all meinen Produkten: um die beste Qualität zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Die Waren, die ich anbiete, kommen ohne künstliche Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker und ohne E-Stoffe aus. Was zählt ist der reine, ursprüngliche Geschmack!

Ihre Produkte sind also sehr exklusiv?
Das sind sie in der Tat! Aber man muss kein Millionär sein, um sie genießen zu können. Voraussetzung ist, Respekt vor den Herstellungsweise und den Zutaten zu haben. Ich sage immer: Feinfühligkeit schmeckt man! Ich habe einen feinen Gaumen und so wähle ich auch meine Produkte aus. Das ist bei mir gewachsen und das schätzen auch meine Kunden, ganz gleich, ob es private sind oder gewerbliche, oder besondere Restaurants, wie beispielsweise der „Stanglwirt“ in Going/Tirol oder der „Höllerwirt“ in Altmünster, der „Rosengarten“ in Bad Sauerbrunn oder die das „Purzls“ mit Claus Curn in Wien. Aber auch Vinotheken und Weinbars, so auch die „Wein und Kunst“ in Wien, schätzen meine Produkte. Ich habe aktuell einen Lagerbestand von 10.000 Weinen, die man sofort haben kann, auch in kleineren Mengen. Das ist besonders.

Gäben Sie uns noch eine Empfehlung mit auf den Weg?
Abgesehen von den Weinen und den Spirituosen: versuchen Sie die Butter von Jean-Yves Bordier oder die Marmeladen von Catherine Manouel. Das ist Frankreich par excellence!

Herr LaRoche, danke für das Gespräch. Mehr Information haben wir hier.

Interview: Gregor Klösch
Gestaltung: Kathrin Bürger
Bild: Klösch

 

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