Im Banne des Steins oder Die Vision vom Wein im Stein (2)

waldschuetz, steinfass, österrei chDen ersten Teil dazu finden Sie hier.

Die erste Vision: Perfektion in der Argumentation
Mit etwas Geduld und guten Argumenten konnte Vater Reinhard ebenfalls von der Sinnhaftigkeit eines Natursteinfasses überzeugt werden. Auch seine Bedenken, es könnte 2014 eventuell zu wenig gesundes, hochwertiges Traubenmaterial gelesen werden, um eine entsprechende Menge „Granitfasswein“ zu vinifizieren, gerieten rasch in Vergessenheit. In einem Edelstahltank schlummerte bereits feinster Grüner Veltliner.


Die zweite Vision: Perfektion im Stahltank

Das zu hundert Prozent gesunde Traubenmaterial wurde Mitte Oktober mit knapp 21° KMW geerntet. Es stammt von tiefgründigen Lössböden, vorwiegend aus der Toplage Rosengarten. Um die Sortentypizität und den Charakter des Weins nicht zu beeinflussen wurde spontan vergoren.

Die dritte Vision: mit Hilfe des Steins Erstaunliches schaffen
Frei nach dem Motto „pimp my wine“ konnten es die beiden kaum erwarten, das Steinfass endlich befüllen zu können. Im April 2015 war es dann so weit, das Fass wurde geliefert und an seinem Bestimmungsort aufgestellt. Keine Routinearbeit, es handelte sich schließlich nicht um ein leichtgewichtiges Barrique Fässchen, sondern um das steinerne Monster, dessen zwei Tonnen Gesamtgewicht für mehrere Adrenalin Kicks und einige herzhafte Flüche sorgte. Aber es wären nicht Reinhard und Markus, würden sie solche Aktionen nicht souverän meistern.

Da stand sie also, die tausend Liter fassende Weinherberge aus Granit, die darauf wartete, endlich den bereits vergorenen Inhalt des Stahltanks samt Feinhefe aufnehmen zu dürfen. Elf Monate waren dem Wein im Stein für seine Entwicklung gegönnt, bevor er im Februar 2016 auf Flaschen gefüllt wurde. Weil Markus ein wahrhaft schlauer Bursche ist, füllte er eine kleine Extramenge als Vergleichswein direkt vom Tank in Flaschen (ausschließlich als Vergleich Stahl/Stein für Verkostungen).

Und bereits während der ersten drei Monate im Steinfass waren positive Veränderungen spürbar. Der Wein im Stein war komplexer, vielschichtiger und mineralischer, als jener aus dem Stahltank. Reinhard ist ein sehr kritischer Verkoster, daher musste er bei allen Verkostungen immer einen extra großen Zusatzkostschluck nehmen, um restlos von der Steinvision 2014 überzeugt zu sein. Das könnte wohl auch der Grund dafür sein, dass statt 1.400 Flaschen nur 1.300 gefüllt werden konnten.

Die kostbare Summe aller Visionen: Grüner Veltliner Steinvision 2014. Das Werk ist vollbracht, aus dem Wein im Stein wurde der Wein aus dem Stein, der als Steinvision 2014 eine neue Heimat in exklusiven Flaschen mit edlem Etikett fand.
Das Weingut Waldschütz wurde in der Weinpresse übrigens bereits hier vorgestellt.

Text und Bild: Andy Bigler

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