Im Banne des Steins oder Das Monster mit Format (1)

waldschütz, österreich, granitEin mächtiger Granitblock – ein Jungwinzer und seine Visionen
Es war einmal vor nicht all zu langer Zeit, als für Markus Waldschütz ein anstrengender Messetag auf der ProWein in Düsseldorf zu Ende ging und er sich auf sein Reparaturbier in einer Ruhrpott Kneipe freute. Wenn ein Steinmetz und ein Weinbauer ein Gespräch führen, dann muss das nicht unbedingt mit Bier begleitet werden. Es wird sich aber möglicherweise nicht vermeiden lassen, denn der eine – ein g’standenes Bayerisches Mannsbild – muss den Staub eines anstrengenden Arbeitstags runterspülen und der andere muss einen ebenso anstrengenden Messetag und die damit verbundenen Folgeschäden heilen. Wer aber die Größe der Biergläser in solchen Ruhrpott-Kneipen kennt, der weiß auch, dass man so etwas in Bayern und Österreich als Schnapsglas bezeichnet. Mit zwei oder drei dieser Bierchen würde man im besten Fall die Begrüßung schaffen. Weil es aber um einen riesigen Granitblock ging und was man damit alles anstellen kann, wurden es auch zwei oder drei Bierchen mehr. Die Gesprächsdauer konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber Markus beteuerte, das Allergen „R.A.U.S.C.H.“ wäre nicht in Erscheinung getreten.

Ein neun Tonnen schwerer Granitblock
könnte eventuell für eine mächtige Baumpresse bestimmt sein. Also „back to the roots“. Aber bitte, auch bei aller Liebe zur Tradition und Nostalgie, wer würde heute noch mit so einem Ding arbeiten und noch dazu mit einem neun Tonnen schweren Stein alles zu Tode quetschen? Also, was geschieht mit diesem Monster? Eine Spur von Nostalgie bleibt, denn bereits lange vor unserer Zeit wussten einige schlaue Völker die Vorteile von Steingefäßen als Lager für Lebensmittel zu nützen. Nach aufwändiger Bearbeitung des Neuntonners bleiben zwei Tonnen Granit in Form eines tausend Liter Fasses übrig, dessen Deckel allein beinahe eine halbe Tonne wiegt. Angesichts seiner steinernen Visionen wagte Markus einen Blick in die Waldschütz’sche Weinzukunft, die sich verheißungsvollen  und innovativ-nostalgisch präsentierte. Außerdem gibt es weltweit gerade knapp zehn Betriebe, die so ein Fass besitzen. So ein Fass musste also unbedingt her. Ein Gedanke war da allerdings noch, der ihn zögern ließ: Was würde der Senior, Reinhard Waldschütz, zu dieser Entscheidung sagen?

Wenn der Vater den Sohn nicht versteht ist das nicht außergewöhnlich. So ist Reinhards anfänglicher Unmut auch nachvollziehbar, immerhin hat der Bub auf einen Schlag ein nettes Sümmchen investiert. Außerdem hatten beide keine Erfahrung mit dem Ausbau und der Lagerung in einem Granitfass. Der Weinjahrgang 2014 war zwar von hoher Qualität geprägt, aber die Menge fiel sehr dürftig aus. Was sollte also in dieses Fass rein? Kompletter Ausbau oder nur Lagerung im Granit?
All diese Fragen quälten Reinhard, aber Markus konnte die väterlichen Einwände entkräften und mit der Steinvision 2014 eindrucksvoll beweisen, dass seine Granit Visionen in eine positive Zukunft führen.

Aber das ist bereits der Geschichte zweiter Teil.

Text und Bild: Andy Bigler

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