Hochgeistige Typberatung.

Glenfiddich,Talisker, Whiskey„Schmeckt nicht, gibt’s nicht“, lautet der Titel einer deutschen Kochsendung. Bei Spirituosen bin ich da durchaus anderer Meinung, besonders wenn es um mein Lieblingsthema Whisky geht. Platitüden wie „Bourbon ist kein Whisky“ oder „Nur Single Malt ist richtiger Whisky“ haben in diesem Umfeld zwar nichts verloren, doch sollte man jedem Genießer seine eigene Geschmackswelt zugestehen. Und dazu gehört eben auch, eine bestimmte Richtung nicht zu mögen. Viele Menschen machen zum ersten Mal Bekanntschaft mit Whisky in Form von Whisky-Cola, andere treffen erstmals auf Jim, Jack und Johnny in der Billig-Variante aus dem Diskonter. Ein kleinerer Teil hat Erstkontakt durch einen Freund „der sich auskennt“, und meist ein großer Fan von stark getorften Single Malts oder Bourbon aus den 70ern ist. Auch wenn gegen beide „Orientierungen“ durchaus nichts einzuwenden ist – ich selbst bin ein Freund stark getorfter Whiskys aus Schottland – so ist für den Neuling, für den Einsteiger, eine solche fremdgetroffene Entscheidung meist die falsche.

So wie bei den meisten Spirituosen, sollte man sich auch Whisky langsam und vorsichtig nähern, am besten unter Anleitung eines Fachkundigen, der ein bisschen mehr über die Spirituose der Wahl weiß als lediglich welche ihm persönlich schmeckt. Arbeitet man sich dann von den großen Unterschieden langsam aber stetig zu den immer feineren Nuancen vor, so ist dies nicht nur eine persönliche Erfahrung, sondern gleichzeitig eine Schulung des Sinnesapparates, die auch anderen Genüssen zugute kommt.

Im einfachsten Fall hilft hier die Teilnahme an einem Einsteiger-Tasting, bei dem ein Heranführen an das Destillat im Mittelpunkt steht. Anhand verschiedener Produkte werden die Unterschiede erläutert und mit Kostproben und Geschmackseindrücken verknüpft. Da es sich bei Whisky immer um Destillate mit 40%Vol.Alk. und mehr handelt, ist von einem Verkostungs-Umfang („Tasting Line“) mit mehr als 6 oder 7 Produkten abzuraten. Gaumen und Nase werden regelrecht betäubt und die Wahrnehmung wird stark eingeschränkt, wenn die Alkoholaufnahme überhand nimmt.

Gerade in dieser Einstiegsphase sollte man sich aber nicht von Vorurteilen, wie oben erwähnt, beeinflussen lassen. Es gibt überall Gutes und Schlechtes, unabhängig von Herkunft, Machart oder Namen, selbst Preiskategorien oder Bezugsquellen sind nicht immer aussagekräftig. Sind diese Eindrücke der deutlichen Unterschiede einmal verarbeitet und gespeichert, kann man sich den feineren Unterschieden, sei es im Grundstoff, der Region oder der Zusammensetzung, widmen. Auch dazu gibt es ausreichend Verkostungen, die sich leicht durch „Selbststudium“ ergänzen lassen, hat man seine persönlichen Vorlieben und Abneigungen erst einmal herausgefunden.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass Überraschungen immer möglich sind und öfter vorkommen als man annehmen würde. Vorurteilsfreies Herangehen und Freude am Neuen gehören also genauso zum Whisky-Connoiseur wie zum Forscher oder Wein-Sommelier.

Wer sich schon immer einmal mit Whisky befassen wollte und an das Thema ohne vorgefasste Meinung herantreten kann, wird feststellen, dass man das persönliche Wahrnehmungsspektrum leicht um einiges erweitern kann. In diesem Sinne: Trauen Sie sich an das „Wasser des Lebens“ ( gällisch „uisghe beatha“, englisch Whisky) heran, lassen Sie sich führen. Sie werden nicht enttäuscht werden. Slainthe.

Autor: Wolfgang Leithner
Bild: Leithner

2 comments on “Hochgeistige Typberatung.

  1. feiner Artikel

    • Finde ich auch. Und ich finde das Thema an sich recht interessant. Auch wenn ich immer das Gefühl habe, die Sachen wären einfach zu stark für mich.

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