Hilfe, ich kann das nicht schmecken! Das Riechen. [Teil 2]

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Wie mcht man eine Weinverkostung?Nun sitzen Sie also zu Hause. Das Telefon ist abgestellt, die Kinder versorgt, der Partner auf Urlaub geschickt. Vor Ihnen steht eine Flasche guten Weines – wir gehen der Einfacheit halber von einem Weißen, beispielsweise einem Grünen Veltliner aus. Frisch aus dem Kühlschrank, wo er zuvor einige Stunden kühlen durfte. Und nun sieht er Sie ebenso ratlos an wie Sie ihn. Wie er da vor Ihnen steht. In die Flasche gefüllt und noch völlig verschlossen, um in der Weinsprache zu bleiben. Aber – kein Problem. Öffnen Sie die Flasche als nächstes und beachten sie dabei den Verschluss. Bereits die Art des Verschlusses sagt etwas über den Inhalt und vielleicht auch die Qualität des Rebenproduktes aus. Die Zeit wo auschliesslich minderwertige Weine mit Drehverschlüssen versehen wurden ist längst vorbei, das sagt uns relativ wenig. Aber beispielsweise (sehr) hochqualitative Lager- und Sammlerweine werden meist mit Kork, manchmal auch Glas verschlossen.

Füllen Sie die Flüssigkeit etwa 3 – 4 Finger hoch  in das bereitgestellte Glas, so viel, dass nach oben hin genug Platz ist, den Wein auch bewegen zu können. Und nun geben Sie ihm einige Minuten Zeit. Wein braucht Zeit und Luft um seine Aromen zu entwickeln. Er wird sich auch weiterhin im Glas unter Luft- besser gesagt, Sauerstoffeinwirkung weiterentwickeln; eine spannende Sache. Nachdem Sie sich nun bekannt gemacht haben, Sie kennen seine Farbe und haben die Flasche und das Etikett in der Zwischenzeit, schon rein aus Langeweile, gut studiert, können wir zum nächsten Schritt kommen. Fassen Sie das Glas am Stil – und nur am Stil, niemals am Körper –  an und heben Sie es zur Nase, bewegen sie es sonst noch nicht, riechen Sie einfach vorsichtig daran. Was können Sie riechen? Wein? Das ist noch etwas wenig. Versuchen Sie dieses komplexe Geruchsbild in ihrem Kopf zu zerlegen.

Weissweine besitzen oft Aromen von hellen Früchten, Apfel, Melone, Zitrone, Limette und Holler. Rotweine tendieren zu roten Früchten, Kirschen, Weichsel und Beeren. Auch Aromen wie Kandis, Vanille oder sogar verschiedenem Gemüse sind denkbar. Der Geruchssinn wird in der Kindheit gebildet und ist eng an Emotionen geknüpft. Durch das Limbische System transportiert, passieren Gerüche ungehindert die Blut-Hirn-Schranke und sind meist tief verwurzelt in unserem Kopf. Wir können oft Aromen erkennen, indem wir uns an das Bild der Frucht oder auch an bestimmte Situationen erinnern. Versuchen Sie das Geruchsbild im Kopf zu zerlegen, indem Sie sich an die Gerüche ihrer Jugend und Kindheit erinnern. Wie riecht Apfel? Stellen Sie sich eine Kiste mit Lageräpfeln vor und halten sie gedanklich die Nase hinein. Riechen Sie den frischen Duft der roten Äpfel und versuchen Sie nun dieses Aroma im Testwein zu finden. Manchmal blitzen die in den Verkostungsnotizen genannten Aromen auch nur kurz auf, zeigen sich schnell um gleich darauf wieder von anderen verdeckt und abgelöst zu werden; versuchen Sie auch auf solch schnell vergängliche Atribute zu achten. Einen Versuch wert wäre auch, eine frische Zitrone aufzuschneiden und daran zu riechen. Merken Sie sich den frischen, appetitlichen Geruch der Frucht und gehen Sie damit wieder zu Ihrem Veltliner. Hier können Sie vielleicht das gleiche Geruchsbild wiederfinden!

Nun, nach dem ersten Versuch mit dem Aromateppich, der sich auf dem unbewegten Wein gebildet hat, wollen wir eine noch professionellere Variante des Riechens wählen.  Keine Angst wenn sie noch keine Aromen erkannt haben, das kommt mit der Übung. Nehmen Sie das Glas wieder am Stil – wie gesagt, nie am Körper – und bewegen Sie es vorsichtig in der Form einer 6 um den Inhalt zu bewegen. Gerade so weit, um das Glas innen zu benetzen und den Wein zu bewegen. Die Bewegung löst weitere Aromen, die Sie mit ihrer Nase einfangen können. Versuchen Sie es gleich und halten Sie ihr Riechorgan darüber. Testen Sie die neu erlernte Technik des assoziativen Erkennens von Aromen gleich noch einmal und vergleichen Sie die Aromen mit denen, die Sie in ihrer Kindheit kennengelernt hatten. Welches Bild steigt in Ihnen hoch? Zuckermelone? Apfel? Zitrone? Limette? Zerlegen Sie das Geruchsbild Ihrer Nase wieder und wieder.

Diese Technik kann immer wieder aufs neue angewendet werden. Achten Sie darauf, kurze Pausen dazwischen einzulegen. Einerseits verändert sich der Wein – sprich das Aromabild – mit Temperatur und Luftzufuhr und andererseits ermüdet die Nase sehr schnell und benötigt immer wieder kurze Pausen. Versuchen Sie es aber trotzdem weiter. Die Aromen, die Äpfel, die Zitronen, der ganze Früchtekorb wartet auf Sie und darauf, ihn zu entdecken. Keine Angst, jeder kann das erlernen. Sie müssen auch nicht alle Aromen der Verkostungsnotiz erkennen, denn jede Nase, jeder Mensch hat eigene Assoziationen mit den Aromen. Wichtig ist alleine, eine Ahnung davon zu bekommen, was denn der Verkoster mit seinen Worten meinen und wie in etwa das Aromabild des Weines aussehen könnte. Und wenn wir nun soweit sind, können wir zum Eigentlichen kommen.

Aber dazu mehr im 3. Teil.

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