Hilfe, ich kann das nicht schmecken! Das Schmecken. [Teil 3]

Hier gehts zu Teil 2 und Teil 1.

Wie geht eine Verkostung?Ihre Nase ist nun eingehend trainiert worden, Sie haben Ihren Wein angesehen, beschnuppert, berochen und immer wieder versucht seine Aromen zu riechen. Vielleicht ist es Ihnen auch gelungen, den Apfel, die Melone, die Zitronen- oder ähnliche Aromen herauszuriechen und zu erkennen. Dann ein großes Bravo! Sie haben den ersten Schritt in Richtung Weinliebhaber gemacht. Denn diese Erfahrung wird Sie nicht mehr loslassen, warten Sie es nur ab. Aber wir kommen nun zum letzten und essentiellsten Schritt unserer einsamen Verkostung, wir haben gesehen, gerochen und nun werden wir schmecken.

Das Glas steht noch vor Ihnen, es ist mit 3 Fingerbreit des Rebensaftes gefüllt; geben Sie vielleicht noch einige Tropfen aus der gekühlten Flasche hinzu, um die Temperatur im Glas wieder etwas zu senken. Nun führen Sie das Glas zum Mund – wie gehabt, wir halten das Glas am Stil und nur dort und niemals am Körper, das würde unerwünschte Wärme zuführen – und nehmen noch eine Riechprobe um dann einen guten Schluck in den Mund zu nehmen. Lassen Sie ihn kurz auf der Zunge liegen und spüren Sie, wie er sich im Mund anfühlt. Lassen Sie dabei etwas Luft aus der Nase strömen und achten Sie dabei auf die Aromen die dadurch in Ihre Nase transportiert werden. Dabei können sie das bereits erlernte assoziative Riechen anwenden und werden sicherlich einige Aromen erkennen, die Sie auch schon vorher in der Nase hatten. Bewegen Sie den Wein im Mund, spülen Sie ihren Mundraum damit, jede Bewegung der Flüssigkeit im Mund lösst weitere Aromen und gibt Ihnen die Möglichkeit diese zu erkennen. Ziehen Sie etwas Luft durch die Lippen, Luft ist ein wichtiger Faktor im Umgang mit Wein – auch im Mund. auch wenn diese Technik vielleicht nicht schön aussieht, so ist sie doch allgemein üblich und durchaus erlaubt beim Verkosten.

Während des gesamten Vorganges sollten Sie immer wieder etwas Luft durch die Nase entweichen lassen und dabei auf die Aromen achten, die da in ihrem Kopf aufblitzen. Erkennen Sie das eine oder andere? Können Sie es sogar benennen? Wunderbar. Sie sind aber auch kein hoffnungsloser Fall wenn Sie nichts oder auch nur wenig erkennen, das alles braucht Übung und wenn se sich vielleicht zum ersten Mal eingehender mit Geschmack und Aromen beschäftigen, dann wird es einige Zeit brauchen, die Nase und den Gaumen neu zu kalibrieren. Der nächste, interessante Schritt ist nun auf die Empfindungen ihrer Zunge zu achten. Wie fühlt sich der Grüne Veltliner auf der Zunge an? Wie ist seine Säure? Seine Süsse? Gibt es Bitterstoffe oder spürt man so etwas wie eine Pfefferschärfe? Achten Sie darauf und versuchen Sie gegebenenfalls die Sache mit einem zweiten oder auch dritten Schluck zu wiederholen.

Wenn Sie den Wein nun in seinen Aromen und Geschmäckern auf Nase und Zunge getestet haben fehlt noch ein letzter wichtiger Teil des Gesamteindruckes, der sogenannte Abgang. In den meisten Weinbeschreibungen ist etwas davon zu finden, er wird als lange, als mittel, als komplex oder auch als einfach beschrieben. Um ihn zu erleben schlucken Sie den Wein jetzt. Sie haben schon in den letzten Minuten einen guten Eindruck des Rebensaftes erhalten, Sie wissen ob seiner Aromen, ob seines haptischen Eindruckes am Gaumen und Sie erfahren nun wie sich ein Abgang anfühlt. Wenn Sie den Schluck die Kehle hinunterrinnen lassen, achten Sie darauf, was sich dabei  und vor allem kurz danach in ihrer Nase abspielt. Wie lange können Sie die Aromen noch im Mund und in der Nase spüren? Haben Sie das Gefühl, der Mund wäre nach wie vor gefüllt obgleich Sie schon geschluckt haben? Spüren Sie noch immer Aromen? Wie und wie lange Sie diese Empfindung haben beschreibt den Abgang. Wenn Sie nach dem Schlucken etwas Luft durch die Nase entlassen – man spricht vom Rückgeschmack -, können Sie die vorherigen oder andere Aromen spüren und vielleicht sogar erkennen? Nun haben Sie eine Idee vom Gesamtkonstrukt  „Abgang„. Es geht um das kontrollierte und sensorisch betonte Schlucken des Probanden.

Alles in allem sollten Sie nach diesem einsamen aber hoffentlich lehrreichen Weintest zumindest einen Eindruck haben, was die Damen und Herren Weinverkoster in ihren Beschreibungen von sich geben. Sie haben erlernt, wie man Aromen identifiziert und was es mit dem unappetitlichen aber notwendigen Luft-durch-die-Lippen-ziehen beim Verkosten auf sich hat. Testen Sie weiter, verkosten Sie. Mit jedem Wein und auch mit jedem anderen Weinstil werden Sie neue Aromen erkennen und Ihr Weinhorizont wird sich noch weiter öffnen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Vergnügen und ein sehr erkenntnisreiches Verkosten. Lesen Sie weiterhin hier die passenden Verkostungsnotizen und probieren sie, probieren Sie, probieren Sie.

Text: Gregor Klösch

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