Heimbrauen. Man brauche: Geduld, Freude und Humor.

Kuebelbier KopieEs gibt Menschen, die sehen eine Arbeit von Jackson Pollock und denken sich, dass sie das auch können. Es gibt Menschen, die verkosten eine Torte der Gerstner Konditorei und meinen, das ließe sich leicht nach backen. Diesen Menschen stehe ich äußerst skeptisch gegenüber. Aber wenn mir erzählt wird, dass einer sein eigenes Bier zu Hause brauen will, bin ich von jeglicher Skepsis befreit, da man dazu keine Extradosis an Optimismus oder Selbsttäuschung braucht, sondern lediglich ein wenig Geduld, Freude am Experimentieren und etwas Humor.

Heutzutage gibt es unzählige Möglichkeiten im häuslichen Rahmen seinen eigenen Gerstentrank zu zaubern. Abhängig vom gewünschtem Arbeits- und Kostenaufwand und dem eigenen Kreativitätsgrad kann man aus einer breiten Palette wählen. Hier stelle ich einige Varianten für zu Hause vor:

Für Einsteiger: Das Kleinfass
Mit äußerst wenig Aufwand lässt sich Bier mit einem Bierset von „Braufässchen“ selbst herstellen. Dabei kann zwischen klassischen Biersorten oder Ales gewählt werden und Hopfenstärke und Aromen sind frei bestimmbar. Ein steriles 5-Liter Fass mit Gärrohr, sowie vorportionierte Mengen an flüssigem Malzextrakt, Hopfen und Hefe wird geliefert. Mann muss nur die Zutaten mit Wasser mischen, ins Fass abfüllen, verschließen und etwa 7 Tage warten. Obwohl die Puristen unter uns dieses Prozedere sicherlich nicht als „brauen“ durchgehen lassen würden, für den noch nicht ganz überzeugten Heimbrauer bietet es für relative wenig Geld (etwa 35€) die Möglichkeit, erste Schritte zu wagen. (http://www.braufaesschen.com) Fazit: Arbeitsaufwand -1, Kreativitäts Freiraum – 1, Kosten pro Liter – 5-7€

Für Anfänger: die Kübel-Methode mit Heimbrauset
Die nächste Schwierigkeitsstufe ist die sogenannte „Kübel-Methode“. Hierfür braucht es einen etwa 25-30 Liter großen Gärbehälter, ein Gärrohr, ein Braupaddel, eine Bierspindel, ein Thermometer und Sterilreiniger. Grundausstattungssets gibt es bereits ab 65€ bei diversen Anbietern wie holzeis.com oder sogar bei amazon.de. „Sauberkeit ist das A und O“, sagt, eine leidenschaftliche Kübel-Bier – Brauerin: „Alle Teile müssen vor und nach dem Brauen gründlich gesäubert werden. Da die Teile relativ sperrig sind, bietet sich bei uns nur die Badewahne als einzige geeignete Platz dafür an“. Am Einfachsten arbeitet es sich im Kübel mit Heimbrausets, die aus Malzextrakt und anderen vorportionierten Zutaten (zwischen 16€ und 20€) bestehen. Die Anleitungen sind meistens klar und deutlich. Der Nachteil ist aber, dass, obwohl es eine gute Auswahl an Sets gibt, man den Geschmack des Bieres wenig beeinflussen kann. Fazit: Arbeitsaufwand -3, Kreativität Freiraum – 3, Kosten pro Liter – exklusive Grundausstattung etwa 1€

Für Fortgeschrittene: die Kübel-Methode mit eigenem Rezept
Im Kübel lassen sich auch Rohstoffe selbst zusammen stellen, wobei sich ein große Kochtopf zum Aufkochen des geschroteten Malzes und des Hopfens empfiehlt. Dies bringt klarerweise nicht nur mehr Arbeitsaufwand mit sich, sondern auch mehr Kleckerei. Der Vorteil ist aber, dass man mit unzähligen Kombinationen und Zutaten Versuche starten kann – von Trockenfrüchten bis Holzgeschmack. So entsteht eine eigene Kreation. Echte Brauerei also! Im digitalen Zeitalter finden sich Rezepturen und Lektüre zur richtigen Menge der Rohstoffe vielfach online,  ich empfehle aber auch eine gute Auswahl an Büchern zum Nachlesen, beispielsweise „Bierbrauen für jedermann“ von Michael Hlatky oder „Gutes Bier selbst brauen: Schritt für Schritt mit Rezepten“ von Hubert Hanghofer. Diese Rezepte können als Ausgangspunkt benutzt werden und dann an den eigenen Geschmack angepasst werden. So entsteht maßgeschneidertes Bier! Fazit: Arbeitsaufwand -7, Kreativität Freiraum – 8, Kosten pro Liter – exklusiv Grundausstattung etwa 1 – 2€

Für den Experten: die Kleinanlage
Die höchste Stufe an Arbeitsaufwand, aber auch die größte Möglichkeit zum Experimentieren im heimischem Rahmen bietet eine kleine Brauanlage wie die von BrauEule oder Braumeister. Da man relativ viel Platz dafür braucht und die Anschaffungskosten zwischen 1.500 und 4.000€ liegen, ist so eine Anlage eher nur für überzeugte HeimbrauerInnen gedacht. Lily Schneider, Heimbrauerin aus Leidenschaft in Kärnten, braut seit fünf Jahren in einer kleinen Braumeister-Anlage. In einer Würze braut sie 25 bis 35 Liter, hat aber 2014 über fünf Hektoliter zusammengebracht – neben anderen ein Blüten-Bier, ein Vanillebier, eines mit rotem Pfeffer und – mein Liebling – eines mit trockenen Beeren und Frucht. Ihre Meinung nach kommt es beim Bierbrauen nur auf eines an: „Du musst einfach probierfreudig sein. Wenn du Freude an Brauen hast, dann wird alles gelingen!“ Fazit: Arbeitsaufwand -9, Kreativität Freiraum – 10, Kosten pro Liter – exklusiv Anlage etwa 1 – 2€

Bleibt mir nur noch, Ihnen zu raten: Probieren und studieren!

Text: Tiffany Heiner
Bild: Barrelfever

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