Urlaubsstimmung. Mitten in Wien.

Hasir, Wien, MexikoplatzSie wollen in die Türkei? Jetzt in der Urlaubszeit wäre das sehr passend. Zumindest gastronomisch kann ich da helfen. Gestern nachmittag machten wir eine gastronomische Entdeckung in Wien und zwar am Mexikoplatz im 2. Bezirk. Das Hasir. Sie meinen, das wäre nicht ihr Fall? Zu Türkisch?  Zu anders? Weit gefehlt, ganz sicher. Im Schanigarten sitzend blüht das Leben um uns herum, die Stimmung ist lebhaft und das ist Teil des Erlebnisses. Das Lokal ist eine kleines 30 Sitze Singularität – jedoch um was es hier wirklich geht ist die Küche und der Kaffee! Vom Wein ist hier keine Rede, das muss auch nicht immer sein, hier trinkt man Bier.

Der Name hat durchaus eine Bedeutung, wie man auch unschwer erfragen kann: Hasir ist eine Decke, die aus Pflanzenstielen und Stroh oder Schilfrohr gewebt wird. Sie wird als Wandbehang oder als Deckenbezug benutzt. Je nach benutzter Pflanze ändert sich der Name zu Trablus, Misir oder Kaba. Im 17.Jahrhundert erlebte der Beruf des Hasir-Webers seine Blütezeit. Es gab in Istanbul sogar einen Bazaar mit dem Namen Hasircilar Carsisi (Straße der Deckenweber).

Nach diesem Ausflug in die Historie wollen wir uns aber schnell wieder unserem Mittagessen zuwenden. Wir machen den Anfang mit einem kleinen kalten Vorspeisenteller, der uns schon geschmacklich sehr gut und ausgewogen auf den Hauptgang vorbereitet. Vom gefüllten Weinblatt bis zum fein-moussigen Kichererbsenpürre ist da alles dabei; alles in kleinen übersichtlichen Portionen, ein Kaleidoskop der Vorfreude, ein Rundumschlag des Gaumens als ersten Eindruck.

Den Hauptgang machten Mussaka und Zembil Kebap. Ersteres ein geschichteter Auflauf von Faschiertem, Melanzani und Kartoffeln, fein gewürzt, niemals überladen und paraphrasiert von Salat und türkischem Reis; für mich Mitteleuropäer eine neue idee von Reis, keine klebrige chinesische Unterlage und auch kein die-Gabel-verweigernder, ungesund gebleichter „Schnellkochreis“. Irgend etwas unbekanntes dazwischen – aber fein. Das türkische Mussaka wird übrigens – offensichtlich – nicht mit Käse überbacken, vielleicht ist es auch genau dieser Umstand, der es eine Idee feiner und bekömmlicher macht. Zembil Kebap, zu deutsch, gefüllte Zucchini mit Hühnerfleisch, der zweite Hauptgang, ist geschmacklich in der eine Nuance deftigeren Schublade einzuordnen. Nicht überwürzt in diesem Fall sondern auch gut abgestimmt auf meinen österreichischen Gaumen. Und für mich persönlich das wichtigste: Das Hühnerfleisch genau auf dem Punkt, leider sogar in vielen gehobeneren Lokalitäten nicht selbstverständlich, hier kann man lernen wie es geht.

Zum Schluss ein Espresso, marke Maestro. Und hier ist Nomen auch Omen. Dicht und würzig, feine Röstaromen, etwas Bitterschokolade. Er könnte noch eine Spur kürzer werden und damit noch ein wenig dichter. Aber das wäre ja beinahe Kosmetik.

Also? Kommen sie mit in die Türkei?

Bild: fyletto / 123RF Stock Photo

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