Hannes Reeh. Mut zur Lebensfreude.

Hannes Reeh, AndauGanz schön beeindruckend. Dieses große Gebäude, das man findet, wenn man in Andau nach dem Weingut Hannes Reeh sucht. Nach der letzten Kurve erhebt sich plötzlich ein voluminöses aber flach hingestrecktes Gebäude. Optisch überwiegend aus Holz und Glas, wirkt es doch so, als wäre es ganz fest mit dem Boden darunter verwachsen. Erdverbunden, kräftig und breitschultrig. Und, als würde es dort schon seit langer Zeit stehen.

Die Spannung löst sich in dem Moment, in dem man das Haus betritt und von einem breit lächelnden Hannes Reeh freundlich begrüßt wird. Einer der Lebensfreude ausstrahlt, einer der den Eindruck erweckt, dass er genau weiß wo er steht und was er kann. Und so spiegelt der anfänglich so auffallende Architekturstil auch gut den jungen Winzer selbst wider und sogar die Stilistik seiner Weine. Einladend aber nicht anbiedernd. Wuchtig und voluminös aber trotzdem strukturiert und zugänglich. Um es vorweg zu nehmen.

Das Weingut selbst besteht schon seit einigen Generationen, selbst der Großvater, der auch schon Winzer war und damals noch eine ganz andere Stilrichtung vertrat, steht heute noch manchmal in den modernen Hallen dieses oberirdischen Kellers und kostet interessiert die Weine, die hier entstehen. Und ja, da gibt es schon so manchen, der ihm gefällt. Damals, als er noch selbst Weinbauer war, da war das Weingut noch klein, da hat man auch noch Rüben angebaut und Mais und der Wein war ein Nebenprodukt. Das alles hat sich mit den Generationen Stück für Stück  geändert. Und als der Enkel 2008 das Ruder übernommen hat war die Richtung ganz klar: Hier geht es um Wein und Qualität. Ausschließlich.

Hannes Reeh, Andau

Hannes Reeh. Lebensfreude in Flaschen.

Heute bewirtschaftet das Weingut 25 ha und kauft etwa noch einmal so viel an Traubenmaterial zu. Wobei das Gewicht ganz sicher auf dem eigenen Material liegt, hier kommen auch die Premiumweine her. Die Hauptverantwortung im Weingarten liegt natürlich beim Winzer selbst, allerdings ist hier – schon aus Zeitgründen – auch sein Vater sehr aktiv. „Er hat mir einfach auch noch vieles an Erfahrung voraus und die Arbeit mit ihm ist sehr fruchtbar. Das nutzen wir und verbinden meine Dynamik mit seinem Wissen.“, erzählt Hannes Reeh ganz offen, als wir gemütlich in der Küche sitzen und am Espresso nippen. Überhaupt ist die Küche der bevorzugtere Ort für den Shooting-Star ohne Allüren, als der top-gestylte Verkostungsraum. „Auch abends mit Freunden oder mit den Mitarbeiter sitzen wir meist hier. Das ist einfach gemütlich.“

Nach seinem ganz persönlichen Zugang zu Wein gefragt, antwortet er leidenschaftlich: „Ich diskutiere auch gern mal über Wein. Ja, aber das darf nicht zum Selbstzweck werden. Wein muss in erster Linie Spaß machen. Wenn ich Abends mit Freunden grille, will ich nichts kompliziertes, da braucht es etwas einfaches, etwas zugängliches. Süffig und saftig. Wenn ich aber zu Hause sitze und mir Zeit nehme zu genießen, da sind die komplexen Weine gerade recht. So hat alles seine Zeit.“

Die Region gibt vor wie die Weine schmecken. Sein Lieblingskind, der Zweigelt, ist quasi hier in Andau zu Hause. Hier auf den kargen Schotterböden, mit viel Sonne und wenig Regen, hier wo die Gegebenheiten so unvergleichlich sind, hier entstehen ganz besondere Gewächse. Struktur, Brillianz, Wuchtigkeit. Körper, Länge und Zugänglichkeit. Das sind die Attribute, die sich in solcher Umgebung entwickeln und die der Winzer nur mehr umsetzen muss. Lebensfreude in Flaschen, könnte man sagen.

Der zweite Teil des Winzerportraits finden sie hier.

Fotos: Reeh

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