Hannes Reeh. Gut strukturiert.

Hannes Reeh, AndauDen ersten Teil des Portraits finden Sie hier.

Als Hannes Reeh 2007 nach 4 Jahren als Kellermeister bei John Nittnaus nach Hause kam, war er voller Tatendrang. Die Idee, das dort erlernte und auch schon umgesetzte hier in Andau auszuprobieren stand greifbar im Raum. – Und er wurde prompt eines Besseren belehrt. Denn, wie er lernen musste, in Gols gelten die Regeln Gols‘ aber in Andau gelten die Regeln Andaus. Und schnell wurde wieder einmal klar was er doch schon so lange wusste: Die Region gibt vor wie die Weine schmecken werden. Nur an der Qualität kann man arbeiten. Und das gelingt seitdem in schöner Regelmäßigkeit. „Alle unsere Weine sind hochqualitativ und gut, von einfach bis komplex., erzählt er leidenschaftlich, „Der Unterschied liegt in der Komplexität.“

Und während im Hintergrund ein ganzes Wildschwein hereingetragen wird, das der Jäger Hannes Reeh in den vergangenen Tagen geschossen hat, verliert dieser sich lachend in Kindheitserinnerungen. Geschichten vom Winzertraum eines 6-jährigen und vom Traktorfahren während der Lese in alten Zeiten. „Für mich war immer klar wohin der Weg geht. Ich könnte keinen anderen Beruf ausüben.“

Hannes Reeh, AndauDie Arbeit im Weingarten hat sich seit dieser Zeit stark weiterentwickelt und Bio und biodynamische Arbeit ist das Thema der Stunde. Hannes Reeh hat den Schritt zum Bio-Winzer noch nicht gemacht. Der Respekt vor der Natur ist dem Winzer selbstverständlich, er arbeitet mit Gründüngung und weitgehend ohne Spritzmittel, aber es wird auch in der nahen Zukunft kein Bio-Zertifikat dazu geben.  „So weit sind wir noch nicht. Ich will das nicht machen nur weil es gerade modern ist. So weit bin ich da noch nicht eingetaucht.“ Hier gelten im Moment noch andere Kriterien. Händische Arbeit im Weingarten, händische Lese in mehreren Durchgängen und das kontrollierte Umsetzen der eigenen Standards im Weingarten. Den Lesezeitpunkt entscheidet der Chef persönlich, hier gilt sein Gefühl und sein Gaumen mehr als alle Zahlen dieser Welt. „Zuckergehalt, Säure und so weiter, sind interessante Kontrollfaktoren. Aber letztlich entscheidet für mich der Gaumen. Wenn die Reife stimmt, wenn die Kerne nicht mehr bitter schmecken und wenn das Wetter passt. Dann wird gelesen.“

Fast 700 Barriques hat er in seinem hochmodernen Keller stehen. Vor einigen Jahren, als alles begann, waren es noch 50 Stück. Damals wie heute kostet er jedes Fass selbst, arbeitet sich durch diese große Zahl hindurch, bis er bei jedem einzelnen klar entscheiden kann in welche Kategorie es kommt: Klassik oder Unplugged. „Das ist echt Arbeit, aber Gott-Sei-Dank kann ich mich auf meine Nase gut verlassen.“, erzählt er und meint weiter: „Das ist ein Teil des Winzerlebens, der oft vergessen wird. Es ist wunderschön aber es birgt auch viel harte Arbeit. Das romantische Bild à la Winzerkönig entspricht leider nicht ganz der Realität.“

Auch wenn es vielleicht nicht immer ganz einfach für ihn ist mit der Tatsache umzugehen, dass er für viele Menschen mehr Superstar als Winzer ist, letztlich ist der Erfolg Lohn harter Arbeit und intelligenter Entscheidungen. Gute und tragfähige Strukturen sind ihm in seinen Weinen ebenso wichtig wie in seiner Arbeit als Geschäftsführer eines beinahe schon industriell zu nennenden Betriebes, der seine Fans Jahr für Jahr wieder mit den Gaumenfreuden des speziellen Andauer Terroirs überzeugt. Denn auch diese Zuverlässigkeit ist ein Zug an diesem Winzer. Und das ist gut so.

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