Ein Frühlingssonntag in Salzburg.

Der erste Teil ist hier zu finden.

SalzburgIch lasse meinen Blick schweifen und vieles gäbe es zu beobachten in diesem Kaleidoskop der Menschlichkeit, doch die Sonne ruft mich laut zu sich nach draußen, zu meinem kleinen Rundgang durch die Altstadt. Ich überquere den Alten Markt, vorbei an den vollbesetzten Tischen vor dem Café Fürst. Die Lust auf eine Mozartkugel – die einzig wahre, wie Kenner wissen – vertröste ich auf einen anderen Tag. Heute will ich mich bewegen, tief atmen, den viel zu langen Winter aus meinen kalten Knochen schütteln.

Ich biege nach links ab, tausche einen Gruß mit dem Komponisten, der seit über hundertfünfzig Jahren Ehrfurcht, Lobhudelei und noch vieles mehr über sich ergehen lässt. Hinter dem Waagplatz tauche ich in die Enge der Judengasse ein. Eine Gruppe Italiener drängt sich vor dem Schaufenster mit den Ostereiern, die längst zur Ganzjahresattraktion geworden sind.

Noch ist in der Getreidegasse nichts von der Hektik und Wuselei zu spüren, die spätestens in der Osterwoche über die berühmteste Flaniermeile der Stadt hereinbrechen wird. Die Vorboten sind bereits da: Ein kleines Häufchen Amerikaner entscheidet sich doch für das McDonald’s, zwei Asiatinnenn ducken sich unter einen pinken Schirm vor der Sonne, ein deutsches Pensionistenpaar tritt aus der winzigen Trafik, glücklich, auch hier bei den Ösis die „Bild“ zu ergattern. Es ist ein Leichtes, die riesigen Lettern im Vorbeigehen zu lesen, doch sie kümmern mich nicht. Ich schaue anstatt zu urteilen, fühle anstatt zu denken, gebe dabei mein wertvollstes Hab und Gut händeweise aus, wiewohl ich davon ein gutes Stück weniger haben dürfte als die Jugendlichen im Tomaselli.

Aber genau dafür ist die Zeit da – ich habe sie, um meinen Sonntag in der Stadt zu genießen.

WeinverkostungZum Abschluss gönne ich mir ein gedämpftes Lachsfilet auf Selleriekartoffelpürree im Café Classic am Makartplatz, meiner Lieblingsoase in der Rechten Altstadt. Dazu begleitet mich, neben der Presse am Sonntag, ein Sauvignon Blanc aus dem Jahr 2011 vom Weingut Teltscher in Leutschach. Klares Helgelb mit starken Goldreflexen weckt rasch Neugier auf den ersten Schluck. In der Nase verspricht der Wein nicht allzuviel, aber am Gaumen entwickelt sich ein ausdrucksstarkes Aroma von Zitrusfrüchten, Wiesenkräutern und Gräsern. Die Säure ist beständig, dabei so mild und feingliedrig, dass ich ihr lange nachspüre. Der Abgang bleibt ausgewogen und wirkt angenehm nach. Vielleicht kein Spitzenwein, aber ein hervorragender Kompagnon zum Lachs.

Die Dankbarkeit über diesen gelungenen Tag bekunde ich mit einem langen Seufzen, das nicht ganz vom letzten Zeitungsrascheln überdeckt wird und mir hochgezogene Brauen vom Nebentisch einbringt. Soll so sein, denke ich, lächle den Wirtsleuten zum Abschied zu und fahre im gleißenden Sonnenlicht nach Hause.

Text: Hannes Glanz
Bild: Gregor Klösch

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