Gudrun Grill. Wenn es schmeckt ist es richtig.

Gudrun Grill, Wagram

Den ersten Teil des Winzerportraits finden Sie hier.

Die Arbeit im Weingarten leitet der Vater, er hat die längste Erfahrung und weiß mit Boden und Klima perfekt umzugehen. Hier wird viel Zeit investiert, hier steckt Leidenschaft dahinter, wird viel Handarbeit eingebracht, das Augenmerk liegt auf Qualität und dem Herausarbeiten der Eigenschaften des Terroir. Bewässerung ist dabei nicht notwendig, selbst bei Hitzewellen bietet der tiefgründige Löss den Reben genug Spielraum. Intensive Laubarbeit, Gründüngung, Ertragsbeschränkung sind die Schlagwörter der Zeit.

Knapp 10 Hektar Weingärten gehören zum Hof, etwas mehr wird letztendlich dann verarbeitet und daraus entstehen rund 50.000 Flaschen Wagramer Terroir. „Und mehr wird es wohl auch nicht mehr werden. Würden wir mehr machen, könnten wir es nicht mehr alles selber machen. Wir würden unsere Authentizität verlieren.“,  erklärt sie ihre recht klare Abwendung von einer Betriebserweiterung.

Trotzdem ihr Tag mit vielen Verpflichtungen gefüllt ist, lässt es sich die leidenschaftliche Winzerin nicht nehmen, so viel Zeit wie möglich im Weingarten zu verbringen. „Es ist auch ein Tapetenwechsel für mich. Raus aus dem Büro, raus aus dem Keller, man muss auch einmal etwas anderes sehen. Für mich ist es wesentlich, zu sehen, wie sich der Weingarten entwickelt – wenn auch der Hof und die Kinder immer das Wichtigste bleiben.„, bemerkt sie lächelnd und der Stolz auf Kinder, Familie und den Hof ist in jedem Wort spürbar. Die junge Mutter zweier Kinder schafft es in hohem Maße die Waage zwischen den Anforderungen aus Familie und Beruf zu halten. Dass aber die Trennung in diesem Metier immer etwas unscharf bleibt, erkennt man sympatischerweise wenn man den Hof des Weingutes betritt, dessen Eingang von Kinderspielzeug wie Weinbauutensilien gleichermaßen gesäumt wird.

Gudrun Grill, Wagram

Der Weinhof Grill bietet mehrere Produktlinien und sie beginnen beim leichten, spritzigen Sommerwein, führen weiter zu den Klassikern und über die cremigen, breiten und dichten Veltliner mit Lagerpotential hin zur Rotweinecke und weiter zu den Schnäpsen und Bränden. „Wenn Kunden bei Verkostungen zu mir kommen und klagen, dass die Weine heuer so kräftig wären, 13,5% Alkohol und fett. Dann sage ich ihnen auch ganz ehrlich, Entschuldigung, da kann ich nichts dafür. Das wächst da draußen so. Ich mache nur den Wein und der ist wie er ist. Kosten Sie ihn, wenn es schmeckt ist er richtig.„, so erklärt die bodenständige Weinmacherin ihren Zugang, „Und das ist das einzige Kriterium, das für mich zählt.“

Sich als Frau in einer Männerdomäne durchzusetzen fällt der resoluten, jungen Frau nicht allzu schwer. Die Unterstützung, die sie zusätzlich braucht, holt sie sich manchmal bei der Markengemeinschaft der Wagramer Winzer. Eine Gemeinschaft, die ihr viel bedeutet. Darin findet sie eine Vereinigung, in der Werte wie Gemeinschaft und Wertschätzung hoch gehalten werden und die auch ihr als Winzerin unterstützend entgegenkommt. Dass es manchmal auch von Vorteil sein kann, eine Frau zu sein und auch verkaufsfördernd, will sie gar nicht verschweigen. „Natürlich hilft es manchmal, wenn hinter dem Messestand eine Frau steht und vielleicht kommen manche Einkäufer dann leichter um zu kosten. Aber überzeugen musst Du immer mit Deinem Produkt.“, erklärt sie ihren Standpunkt nachdrücklich.

Und das ist auch genau was sie macht. Sie überzeugt mit dem Produkt.

Bilder: Grill

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5