Genussmoment: Peter Rabl.

Peter Rabl, ehemaliger Kurier und profil HerausgeberFür unsere Serie „Genuss-moment“ hatten wir diesmal Peter Rabl, den ehemaligen Herausgeber und Chefredakteur des Kurier, Herausgeber des profil, Journalist und Blogger, Autor und Moderator zu Gast. Oder besser, wir waren zu Gast. In seinem Penthouse, wo uns freundliche Atmosphäre, Kunst und Literatur,  ein Espresso und ein, vom eigenen aktuellen Buchprojekt etwas gestresster aber aufgeräumter, Peter Rabl erwartete, der unsere Fragen bereitwillig beantwortete:

Lieber Herr Rabl, wir sind ein Genussmagazin und natürlich interessiert uns genau dieses Thema. Und zwar heute ganz speziell mal nur aus Ihrer Perspektive. Darum unsere Frage:

Was ist Genuss für Sie?
„Für mich ist Genuss eine Kombination aus Muße, einer feinen Umgebung – menschlich wie im Ambiente -, exquisitem Essen – und zwar im Sinne der Qualität -, und feinem Trinken.“

Was brauchen Sie dafür? Um genießen zu können?
„Ich brauche dafür erstens Zeit, die ich mir nehme, und zweitens Geld. Dann geht’s schon, dann kommt’s auch von selber. Er kommt dann auch leichter, der Genuss.“

Was würde Sie überraschen?
Überraschen würde mich, wenn sich Österreich plötzlich zu einer wirklichen Reform und zu einem modernen Staat entwickeln würde. Quasi ein Hochleistungsstaat mit starken sozialen Kompetenzen, mit Leistungsfähigkeit und mit Zukunftsorientierung. Und mit Beseitigung manch alter Strukturen. Es geht um Leistungsfähigkeit und Leistungswillen., weil an beidem mangelt es. Aus meiner Sicht.“

Peter Rabl und die WeinpresseWann ist Ihr Genussmoment perfekt?
„Wenn alle Ingredienzien, die ich brauche, wie schon erwähnt, in seltenen Glücksmomenten zusammenfallen. Selten, weil, wenn es immer wäre, ein Dauerzustand, dann wäre es ja nicht auszuhalten.“

Was trinken Sie selber? Was sind Ihre Genussmittel?
„Ich trinke guten Kaffee, und ein bisschen Wein und auch ein bisschen Champagner. Österreichische Weissweine aus dem Weinviertel und aus der Südsteiermark, und Rotweine aus der Toskana und aus dem Bordeaux. Kulinarisch bin ich mehr und mehr bei einer sehr gesunden aber nicht weniger genussreichen Kost angekommen. Ich koche begeistert selber. Und zwar sehr viel Gemüse, sehr gutes Fleisch und guten Fisch. Meine bevorzugte Küche ist eher mediteran und weniger die klassische österreichische Küche. Viel zu selten lade ich mir Freunde ein, aber ich habe regelmäßig am Wochenende die Freude meine Frau bekochen zu dürfen.

Was wären für Sie drei Schritte um aus der aktuellen Situation in eine Genussreichere zu kommen?
„An sich habe ich diese Schritte schon gemacht. Und zwar indem ich mir in meinem aktiven Ruhestand ausreichend Zeit und glücklicherweise Geld und vor allem eine feine freundschaftliche und familiäre Umgebung geschaffen habe. Damit habe ich die drei Stufen zur Voraussetzung zu Glücks- und Genussmomenten bereits genommen.“

Das klingt jetzt einigermaßen entspannt. Außer man hat vielleicht gerade einen Abgabetermin für ein Buch, wie Sie es ja gerade haben.
„Ja, mein Buchprojekt nimmt mir gerade einen kleinen Teil des entspannten und genussreichen Lebens. Aber auf der anderen Seite kann ich unter Druck auch sehr gut arbeiten. „Also: Das Leben ist entspannt! La vita e bella!“

Was für ein Buch schreiben Sie denn gerade?
„Es ist ein Buch über die Krise des österreichischen Wohlfahrtsstaates und es wird im Herbst herauskommen.“

Was tut Ihnen gut?
„Ruhe tut mir gut. Aber das musste ich erst lernen und für mich entdecken. Mir tut auch gut, jede Menge neue Eindrücke zu erleben. Egal ob es über Medien, über Reisen oder über Menschen geht. Und diese Dinge sind sozusagen auch Gestaltungsprinzip meines Lebens. In fast vierzig Jahren Journalismus habe ich genug Trubel gehabt und das war ja auch gut so. Jetzt sehe ich den Kontrast dazu und auch das ist gut so.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rabl.

Interview, Text und Bilder: Klösch

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