Genuss und Disput. VieVinum 2014

Orange WineAuch dieses Jahr gab die VieVinum Fachpublikum, Gastronomen und Co. genügend Diskussionsstoff – zu groß, zu unübersichtlich, zu teuer, zu billig – es ist wohl wirklich schwierig es allen recht zu machen. Fachmessen in dieser Größenordnung können einen leicht überfordern. Bei über 550 Ausstellern und dem großen Aufgebot an Rahmenveranstaltungen sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, speziell wenn man einer von über 15.000 Besuchern ist und nur 3 Tage Zeit hat – wenn überhaupt.

Als privater Weinliebhaber läuft das noch ziemlich stressfrei und man kann die große Auswahl genießen und sich treiben  lassen. Möchte man die 3 Tage jedoch bestmöglich, aber vor allem fachlich, nützen, bedarf es einer straffen Planung und einigem an Vorarbeit. Da der Gastronom diese Stunden meist nicht hat, läuft es oft darauf hinaus, schlussendlich aufzugeben und nur die Winzer besucht die man im Sortiment hat. Die Liste der „unbedingt zu kostenden Weine“ hat sich dann schnell halbiert.

Da gehen Newcomer und Geheimtipps im letzten Eck der Hofburg schnell in der Masse verloren, sehr schade, denn davon gab es reichlich zu entdecken. Dabei haben sich die Veranstalter wirklich Gedanken gemacht wie dem Besucher unter die Arme zu greifen wäre. Das aufwendig gestaltete Programmbuch ist dabei erst der Anfang. Über den QR-Code an jedem Stand kann man sich alle wichtigen Informationen über Weingüter und Weine direkt aufs Smartphone holen und seit diesem Jahr wird man sogar via App von Stand zu Stand navigiert.

Wenn man sich die Veranstaltung ganz objektiv ansieht, ist die VieVinum 2014 zwar eine große, jedoch ausgezeichnet organisierte Fachmesse, bei der sich die österreichischen Winzer ob konventionell, Bio-Dynamisch oder Demeter stetig steigendem Fachpublikum aus aller Welt erfolgreich präsentieren konnten.  Jancis Robinson, MW: „There must be some bad wines in Austria, but so far they haven’t crossed my way.“ Aber nicht nur unsere heimischen Winzer haben sich vor internationalem Publikum präsentiert, auch internationale Weingüter aus Deutschland, Italien, Portugal, Serbien, Slowenien, Spanien und Übersee konnten dieses Wochenende verkostet werden. Dieses Jahr kamen auch noch Weltklasseweine aus Frankreich dazu und begeisterten das heimische Publikum.

Besonders herausgestochen ist jedoch eine spezielle Region aus Österreich: im Zeremoniensaal der Hofburg präsentierte sich die Steiermark in überschaubarer Größe mit höchster Qualität. Die steirischen Winzer haben wieder unter Beweis gestellt wie jung, innovativ und vielschichtig die Weine dieser Region sind. Ob die typisch, mineralischen Weine von Stefan Schauer, der gekonnt das Terroir des Sausals in die Flasche packt, oder die PiWi- Sorten des Weinguts Domäne Hirschmugl, die in ihrer Klarheit brillieren und beweisen wie spannend und sortenecht die Weine aus Bio-Dynamischem Weinbau sind. Bis hin zum Orange-Wine von Manuel Ploder vom Weingut Ploder-Rosenberg, der wie in Römerzeiten aus der Amphore kommt und durch diese außergewöhnliche Ausbauart noch lange im Gedächtnis bleibt.

Auf dem Weg in die Hofburggalerie, wo das Weinviertel und das Carnuntum vertreten waren, hatte man gleich die Chance die Landessieger zu verkosten und war beeindruckt von der Familie Hagn und deren Sauvignon Blanc. Auch die Winzerin Elisabeth Rücker aus Unterretzbach hat gezeigt wie viel Gespür Frau für den Grünen Veltliner hat. Mit dabei bei den „Jungen Wilden Winzern“ konnte man ihre Weine auch auf dem Side-Event im Volksgarten verkosten, der von den Jungen Wilden am Sonntag veranstaltet wurde.

Nachdem von konventionell über bio und bio-dynamisch nun alles verkostet wurde, darf man den Teilbereich Demeter natürlich auch nicht außer Acht lassen. Hier bewies das Weingut Andert aus Pamhagen im Burgenland wieder ausdrucksvolle Qualitäten, die zu recht in vielen Haubenbetrieben auf den Weinkarten zu finden sind. Und wenn wir schon im Burgenland sind, bedanke ich mich bei Günther und Regina Triebaumer aus Rust für den Moscato für den perfekten Start in den Verkostungstag.

Die Thermenregion war in der Seitenhalle im Erdgeschoss untergebracht, nicht so einfach zu finden, aber für den jungen Winzer Hannes Hofer und seinen Rotgipfler und Zierfandler geht man auch mal gerne auf die Suche. Die Burgundermacher mussten dann nicht mehr lange gesucht werden, Georg Schneider stand gleich in der Nähe und bot uns einen zufriedenen Abschied von der VieVinum 2014.

Ich gebe zu dass das Angebot an Ausstellern, interessanten Weinen aus aller Welt einen schnell überfordern kann, trotzdem wird der Besucher mit wunderschönen Weinen, interessanten Vorträgen und Verkostungen und einem großen Überblick über die Regionen Österreichs und der Welt belohnt. Die Veranstalter haben auch schon anklingen lassen, dass die Zahl der Aussteller ihren Höhepunkt erreicht hat und in Zukunft nur noch die Fachbesucher wachsen dürfen. Interessante Ausblicke auf 2016.

Text: Ruschka
B
ild: 123rf.com

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5