Genuss ist nicht nur ein Wort.

GenussGenuss ist ein großes Wort. Und es wird von uns, hier in diesem Medium, durchaus oft in den Mund genommen. Wir zitieren in seinem Namen die großen Götter des Verkostungsolymps und wir bereiten der eigenen Nase lustvoll den Weg, auch die größten Herausforderungen annehmen zu können. Aber was genau heißt das? Wie geht das? Was braucht es dazu, zu genießen? Zugegeben, eine eher philosophische Frage. Und wir wollen kurzerhand einmal hinterfragen, was für uns hier, für die Autoren der Weinpresse, hinter diesem Begriff, dieser Berufung, steht.

Ganz objektiv (als ob so etwas bei Genuss überhaupt möglich wäre!) beginnen wir mit dem Nachfragen bei Duden. Dieser beschreibt den Begriff mit „Freude, Annehmlichkeit, die jemand beim Genießen von etwas empfindet“. Aber damit hilft er uns nicht wirklich weiter, denn das sagt etwas aus darüber, was passiert wenn wir genießen, aber noch nicht darüber, was es braucht. Wenn wir (etwas) genießen, dann braucht es wohl einige Grundvoraussetzungen. Die könnten sein: Ruhe, Konzentration und Fokussierung auf das zu Genießende, Öffnen der Nase und des Gaumens, Reinigung derselben und vielleicht noch einige andere Punkte, die Sie gerne nachtragen dürfen.

Mir aber sollen die Angeführten einstweilen genügen. Denn ich denke – und viele von Ihnen werden mir vielleicht zustimmen – es braucht nur einige wenige Voraussetzungen, um sich dem Genuss ganz hingeben zu können. Machen sie es wie wir. Beginnen Sie damit sich zu entspannen. Lassen Sie den Stress des Tages fallen, legen Sie die sich drehende Gedankenmühle zur Seite und konzentrieren Sie sich auf Ihre Empfindungen, darauf zu genießen.  Schließen Sie erwartungsfroh die Augen, und freuen sie sich darauf nur wahrzunehmen. Freuen sie sich auf die schönen Dinge, die Angenehmen, die Aromareichen, die Lustvollen, die die Sinne kitzeln und den Mund wässrig machen. Stellen Sie sich darauf ein, nicht beurteilen zu müssen, sondern nur wahrzunehmen. Natürlich können Sie dabei auch werten aber dafür ist auch nach dem Genusserlebnis genug Zeit. Lassen Sie dieses Genusserlebniss ganz alleine stehen und lassen Sie sich einfach fallen in ein Universum, das nur aus Wahrnehmung und nur aus den schönen Dingen besteht.

Und erst jetzt, wo Sie bereit sind aufzunehmen was Ihnen Genuss bereitet, jetzt wo Sie sich auf dieses Genießen eingelassen haben, jetzt beginnen sie damit auch wirklich ans Werk zu gehen. Öffnen Sie die Flasche, schneiden Sie an, greifen sie zu oder führen Sie an Ihre Lippen. Was immer Ihnen Genuss bereitet, jetzt ist Zeit dafür. Genuss braucht Zeit, braucht ein Hinwenden zu den Sinnen, braucht die Fokussierung und Konzentration, das Hinhören und -spüren.

Es ist eben mehr als nur ein Riechen oder Schmecken, es ist Hinwenden zu den schönen Seiten des Lebens. In diesem Sinne.

Bild: vgstudio / 123RF Stock Photo

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5