In geheimer Mission

Dass auch bei den Salzburger Festspielen die fetten Jahre wohl vorbei sind, es aber immer noch zu einem fetten Abend reicht, beweist ein Beitrag der Society-Redaktion der Salzburger Nachrichten vom 14. August 2009, zu finden im Regionalteil auf Seite 16. Dort wird unter der ein bisschen zu dick an James Bond angelehnten Schlagzeile „Gottfried in geheimer Mission“ von einem Linzer Couturier – landläufigste Übersetzung: Promi-Schneider – berichtet, der „seinen Salzburg-Besuch in Jetset-Manier inszenierte.“

 

Titelbild des 1. Satirebandes von Hannes Glanz

Zeichnung von Thomas Wizany

Dem Chronisten springt zunächst ein Foto ins Auge, auf welchem eine Frau barfuß und im Seidenpyjama auf der Tragfläche eines kleinen Flugzeuges steht. Um sie zu beschreiben, fehlen mir die Worte, bis ich die Kontaktanzeigen im Stammblatt der gleichen Ausgabe studiert habe: „Fast schon unverschämt attraktiv (stellen Sie sich ein blondes schwedisches Model vor!)“ Die Sandälchen baumeln damenhaft abgespreizt an zwei Fingern, um sich nur ja nicht die Stöckelchen zu ruinieren oder gar auszugleiten. Letzteres wird sicherheitshalber auch von einem fliegerbebrillten Superagenten (also doch James Bond!) im Smoking verhindert, der ihre freie Hand hält, dabei aber seinen Blick – immer auf der Hut vor feindlichen Mächten, schließlich ist man in geheimer Mission unterwegs – durch die Gegend schweifen lässt.

            Trotzdem alles halb so wild, wie aus dem Text zu erfahren ist. James Bond heißt heute Gottfried und  ist nicht mehr Superagent, sondern Modeschöpfer. Die Dame an seiner Seite verdient ihre Brötchen als Fernsehmoderatorin statt Männer fressende Femme fatale. Und natürlich trug sie – hier muss der Chronist sogleich Abbitte leisten – keinen Seidenpyjama, viel mehr handelte es sich um eine Kreation des Meisters.

Und diese geriet gleich nach der Landung tatsächlich in Gefahr: „Jemand“ (wohl ein kurzsichtiger HauteCouture-Banause, Anm. d. Chr.) stieg auf die Schleppe des Kleides“, berichtete Gottfried, sodass „der Schlitz vorne 20 Zentimeter weiter riss.“ Als hartgesottener Profi bewies er jedoch Nerven aus Stahl, verwandelte sich blitzschnell in McGyver und behob den Schaden mit Hilfe einfachster Utensilien, die er in der Sakkotasche fand: „Gottseidank hatte ich Nähzeug dabei.“

Bald darauf eingetaucht in den Festspielbezirk, nahm das Trio, vervollständigt durch den Piloten (dessen Name setzt sich nestroyhaft aus jenen zweier berühmter österreichischer Hochgeschwindigkeitssportler zusammen: Welcher Überflieger wünschte sich nicht, Klammerberger zu heißen?), den klassischen Promi-Triathlon in Angriff: Champagner-Umtrunk, Opern-Genuss (fachmännischer Kommentar des Nadel-Artisten zu Le Nozze di Figaro: „Hinreißende Stimmen, wunderbare Inszenierung“) und Leute-Schauen. An den abendrobigen Äußerlichkeiten lebte der Kleider-Krative selbstredend seine innerste Leidenschaft aus und holte sich so viele Inspirationen, dass er noch um Mitternacht, nach Rückkehr der Maschine nach Linz, „mit dem Entwurf eines neuen Traums für die nächsten Festspiele begann.“

            Ist doch klar: Auch James Bond hat immer einen nächsten Auftrag.

PS: Zwei Fragen an den Redakteur:

  1. Warum schreibt man „Willkommen Salzburg!“ neben das Foto von zwei Gästen, die in die Stadt gekommen sind? Zwei Buchstaben bedeuten manchmal einen größeren Unterschied als zwanzig Zentimeter Stoff.
  2. Warum war „Gottfried in geheimer Mission“ unterwegs? Auch intensivstes Nachdenken führt den Chronisten zu keiner Antwort. Sohin wird er sich bald auf geheime Mission in den Festspielbezirk begeben und im Anschluss der Society-Redaktion Bericht erstatten – falls er an Miss Moneypenny vorbeikommt.

One comment on “In geheimer Mission

  1. *** on said:

    🙂

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