Gartenträume – Marillenträume

Marillen.Ein Spaziergang durch den heimatlichen Garten gibt mir immer Kraft und neue Energie. Und die Natur prahlt momentan geradezu mit ihren Geschenken. Da erscheint mir die Gelegenheit recht neue Inspiration, neue Eindrücke und Ideen für eine neue Dessertkreation zu sammeln.

Die Blütenpracht auf der Terrasse strotzt nur so vor bunten Farben und sinnlichen Gerüchen. Im Vorgarten zeigt sich der Kirschbaum von seiner besten Seite. Die Kirschen – prall und knackig, saftig und süß -, es scheint als wolle der Baum sämtliche Sonnenstrahlen einfangen, um die ohnehin schon dicken und saftigen Kirschen weiter zu dunkelroten, zuckersüßen Köstlichkeiten zu machen. Gierig schnappe ich mir eine Handvoll zum Kosten. Einige wenige aber hebe ich mir auf – hinterm Ohr, genau wie früher.

An den Wiesenblumen und den Kräutern vorbei gelange ich zu Mamas Gemüsegarten. Dort wo schon Buschbohnen, Zuckererbsen und Brokkoli diesen ganz besonderen Platz schmücken. Dort an der Gartenmauer stehen zwei große, alte Marillenbäume, an denen die heurige Ernte schon gut zu erkennen ist. Nur noch einige Sonnenstunden, bevor man die süße Frucht ernten und verzehren kann. Reife Himbeeren und Ribisel leuchten neben mir durch die grünen Stauden. Ein paar vereinzelte Kostproben hole ich mir, doch mit meinen Gedanken bin ich nur bei den Marillen.

Ganz alleine steht sie da, nicht wie alle anderen Gewächse hier im bunten Garten. Die Äste weit gestreckt, um die noch grünen Steinfrüchte fleißig mit Sonne und Energie zu versorgen. Hier und da stehen vorwitzig junge Triebe hervor, die dem Baum hauptsächlich den Saft rauben. „Hm,“ schmunzelnd denk ich mir, „die hat Mama wohl übersehen!“. Diese Marillen haben mich schon von klein auf begleitet. Ob als Marmelade zum Frühstück, Kompott zum Nachtisch oder aber auch mit dem ewigen Entkernen fürs Einkochen. Unsere Marillen waren in der ganzen Nachbarschaft beliebt. Keiner hatte so schöne, gute und so viele Marillen wie wir. Über die Jahre hinweg wurde es selbstverständlich, dass man spätestens alle 2 Jahre wieder traumhaft süße, von der Sonne geküsste, Marillen direkt vor der Haustüre hatte.

Etwas abgeschweift durch die Faszination der Natur denke ich an hunderte Marillenknödel, belegte Blechkuchen und all die vielen passierten Marillen meiner Arbeit in Backstube, Patisserie oder auch Confiserie. Aber halt! Diese süße Frucht, ob mit flaumig-heißem Topfenteig umhüllt, an Germteig gebacken oder leicht karamellig im Röster. Wer liebt sie nicht? „Da geht noch was!“, denke ich mir und in meinem Kopf schwirren plötzlich die verschiedensten Ideen und Varianten, wie ich denn die Marille würdig auf den Teller bringen könnte. Ein leichtes Marillen–Joghurtmousse mit etwas Limette verfeinert? Oder doch ein Bavarois mit feinstem Nougat, piemontesischen Haselnüssen und Karamel? Nein, kleine, feine Marillenbuchteln mit richtig richtig guter Vanillesauce – ein Klassiker!

Apropos, auch die Mandel wird oft mit der Marille in Verbindung gebracht. Kein Wunder, verbirgt sich doch im Inneren der Frucht eine kleine Mandel. Je nach Sorte, süß oder bitter. Hmmm … Marzipan? Mandel? Weiße Schokolade vielleicht? In meinem Kopf sammeln sich die buntesten Möglichkeiten die Zutaten einzubringen. Gel von der Marille? Mandeltörtchen oder doch lieber garniert mit Schaum aus der ISI? Mit meinen Gedanken beschäftigt und fast schon überfordert, ohne eine Möglichkeit mitzuschreiben und in meinen Rezeptheften zu blättern, nehme ich ganz nebenbei einen starken aber immer lieblicher werdenden Duft war. Sofort stoppen sämtliche Gedankengänge und ich beginne nachzuforschen was sich denn da so wohltuend in der Luft verbreitet. Das ist es – ein Hauch von Lavendel! Das war genau das I-Tüpfelchen, das mir noch gefehlt hat, um meinem Dessert den ganz besonderen kleinen Kick zu verleihen. Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Da kann ich mich ja beruhigt an die Arbeit machen …

Text: Elisabeth Mair
Bild: Mair

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