Gans viel Gans an Martini

Martini-Gansl beim Fuhrgassl HuberDer Untertitel dieses Berichts könnte lauten: „Ganslessen für Gesellige“. Beim Fuhrgassl-Huber, dem Traditionsheurigen  im 19. Bezirk sitzt man in gemütlicher Runde an langen Tischen und Bänken. Allerdings sollte der Gast bei der eher schummrigen Beleuchtung die Dachschrägen nicht aus den Augen lassen, sonst könnte es zu recht intensiven aber schmerzhaften Erinnerungen kommen. Gesellig wird es, wenn irgendwann Fiedel und Akkordeon an den Tisch kommen – Weinseligkeit und Nostalgie pur.

Das Martini-Gansl selbst wird nicht für jeden einzelnen Gast separat serviert, sondern kommt auf silbernen Platten, die Beilagen in großen Schüsseln. Aus diesen darf man sich dann selbst und einander bedienen. Dieses Prozedere gleicht nicht unbedingt einem schlichten Lokalbesuch, eher einem gemütlichen Familien-Festmahl: „Gibst ma noch an Knödel?“ oder „Kann ich nochamal die Preiselbeeren ham?“

Ein Wort zu den Speisen selbst: Die Gans war gut gewürzt, leider war die Haut nur vereinzelt knusprig und an manchen Stellen standen noch die Federkiele heraus. Aber darüber kann man auch getrost hinwegsehen, denn das Fleisch war butterweich gebraten. Zwei Stück von der Gans pro Person – da wird jeder satt. Der Bratensaft war ziemlich deftig – aber genau richtig, um die Knödel darin zu zerdrücken. Das Rotkraut perfekt im Biss und mit einem kleinen Patzerl Preiselbeer-Kompott auch nicht zu säuerlich, so soll es sein – und auch die Preiselbeeren waren phantastisch: nicht zu süß, nicht zu herb, mit vielen ganzen Früchten. Und schließlich noch die Erdäpfelknödel … Ja, was soll ich sagen? nach meinem Geschmack waren sie gut, aber womöglich bin ich ja leicht zufrieden zu stellen, weil ich Erdäpfelknödel liebe. Andere Gäste sind da vielleicht kritischer und empfinden sie zu teigig, zu zäh und zu mehlig. Pro Person ist nur ein Knödel berechnet, was, trotz deren kanonenkugeliger Größe, meiner Meinung nach zu wenig ist. Hier tut Naschub not, was ich für mich auch gleich erledigt habe.

Die Räumlichkeiten im Fuhrgassel Huber tragen zum Gansl-Genuss auf besondere Weise bei: In den Ecken der Räume ist es fallweise so dunkel, dass es schwer fällt, allein mit Messer und Gabel das Fleisch von den Knochen zu unterscheiden. Einige von uns mussten daher manchmal zu Gottes Werkzeug greifen, um nicht zu viel vom herrlichen Fleisch übrig zulassen.

Mein Fazit: Für 16,90 Euro bekommt man nicht nur ein durchaus preiswertes und feines Essen, sondern auch ein kleines Stück Wiener Heurigenkultur mit dazu.

Text und Bild: Nina Kovacswww.butterundliebe.at

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