Fastenzeit. Genusszeit.

Fisch essen zur Fastenzeit.Ich habe mir heuer das erste Mal vorgenommen, bis Ostern auf Fleisch zu verzichten. Ich faste also. Und komme mir schon in dem Moment, in dem ich das schreibe, ziemlich bedauernswert, tapfer und aufopferungsvoll vor. Ganz genau weiß ich noch nicht, wie ich die Tage der Verwandtenbesuche, Einladungen von Freunden oder Geburtstage ohne paniertes Kalbsschnitzerl, saftigen Burgunderrindsbraten oder eine deftige geschmorte Lammkeule überstehen werde.

Ich bin ein Carnivore und dazu stehe ich: Schon einige Tage vor dem ultimativen Aschermittwoch schmökerte ich in diversen Kochbüchern, vegetarischen Internetforen und eigenen, in Schönschrift verfassten Rezeptsammlungen, um nur ja nicht Gefahr zu laufen, in den nächsten 40 Tagen aufgrund einer Eiweissmangelerscheinung schwach und blutleer darnieder zu liegen. Immerhin bin ich wenig begeistert davon, mich ausschließlich von Karfiolauflauf, Erdäpfelgröstl oder Krautfleckerl zu ernähren.

Aber Gott-sei-Dank haben uns die Mönche in den europäischen Klöstern des Mittelalters eines Besseren belehrt: Schlau, wie sie waren, haben sie in Ermangelung einer saftigen Schweinshaxe den Fisch als nicht fleischig deklariert und uns gewöhnlichen Sterblichen damit das Fasten nicht allzu schwer gemacht: Im „Buch vom guten Essen 1356“ beispielsweise wird uns ein ziemlich deftiger Eintopf (man nehme 20 Flusskrebschen, von einem fetten Karpfen das Fleisch, legiere gut mit 6 Dottern und so weiter und so fort …) als Fastensuppe verkauft. Fleischlose Nachspeisen (im gut dreifingerdick hohen Fett schwimmend herausgebacken) werden zur endgültigen Sättigung empfohlen und überhaupt wurde sehr großzügig mit dem Thema „Entbehrung“ umgegangen.

Ich bin also, ermutigt vom mönchischen Verständnis des Fastens am Aschermittwoch zum Heringsschmaus gegangen, um mir und der Welt zu beweisen, dass es durchaus möglich ist, sich zu kasteien und dass es nicht immer ein Chateaubriand sein muss oder ein Entrecote Cafe de Paris. Und heldenhaft habe ich darum als Vorspeise ein Lachsei gewählt, eingebettet in mollig-cremigem russischen Heringssalat mit sanfter Mayonnaisenote. Danach ein Filet vom Wolfbarsch in dicker Salzkruste, fein garniert mit einem Gemüsebouquet und kross gebackenen Polentascheiben. Und damit ich auch wirklich satt werde hab ich danach auch noch einen „Spezialaschermittwochfastennachspeisenteller“ geordert, der aus einem wunderbar flaumigen Kastanienreismousse auf Walnuseis bestand, abgerundet mit Rumkirschensaft und einem Häubchen, aber wirklich nur einem vernachlässigbaren Hauch, von Schlagobers.

Ich bin sehr stolz auf mich, den ersten meiner Fasttage so gut über die Runden gebracht zu haben. Mit ein bisschen Selbstbeherrschung ist es gar nicht so schwer, der Völlerei abzuschwören.

Am Sonntag koche ich Jakobsmuscheln in Weissweinsoße – alles wird gut.

Text: Bibi Stift
Foto: possohh / 123RF Stock Photo

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