Espresso, bitte.

EspressoDie österreichische Gastronomie hält viel von ihrer Kaffeekultur. Das ist zumindest der (zuweilen etwas selbstbeweihräuchernde) Eindruck, der manchesmal im Kontext meines bestellten Kaffees entsteht – ganz egal wie das Ergebnis in der Tasse ist. Die Diskussion, ob ein kleiner Mokka ein Mokka oder ein Espresso ist oder ein Melange das Pendant des Cappuccino ist im Grunde aber brotlos.

Wikipedia kennt eine kaum endenwollende Liste österreichischer Kaffeespezialitäten, die allerdings, im Vertrauen bemerkt, für mein Dafürhalten meist so recht nicht zum Thema Morgen- oder Zwischendurchkaffee passen wollen. Ausser man möchte sich den Kaffee – und in der Folge auch den Tag – gerne mit Sliwowitz, Rum oder Cognac aufbessern. Letztendlich aber ist das alles österreichischer Kaffee.

Ein Mokka – liebe Gastronomen ist eben ein Mokka und meist kein Espresso. Der Espresso ist kurz und stark und dunkel und kräftig in Geschmack und Aroma. Und er ist, sonst ist er eben ein Mokka, aus einer italienischen Sorte. Der Mokka sollte zwar so ähnlich gestrickt sein, leider ist das in den meisten Fällen aber so gar nicht der Fall. Denn der Mokka ist die österreichische Version. Er könnte sein: kurz und dunkel und stark und kräftig im Geschmack und Aroma. Und – aus einer (möglicherweise nicht) italienischen Sorte. Das ist – zugegeben – kein sehr grosser Unterschied. Das liegt daran, dass es letztendlich auch eher eine Abgrenzung ist, die im Kopf stattfindet, denke ich. Und ich will im folgenden auch erklären was ich damit meine.

Auf vielen Fahrten durch Italien habe ich eines immer wieder erlebt. In jeder italienischen Bar, in der ich je Halt machte um einen kurzen Moment des Verweilens, der Verharrens und Geniessens zu erleben, in jedem dieser noch so kleinen Vorstadt-, Kleinstadt-, Grossstadt oder Dorfsbars. In jeder davon wurde ich als Gast und mein Espresso als Genussmittel und Visitenkarte des Wirts ernst genommen. Das Credo, komm herein, stell dich an die Bar, Zeit für einen Espresso ist allemal, denn – mein Kaffee, mein Freund, mein Espresso ist der Beste im Dort, im Land, in der Stadt. Für diese Wirte und Barmänner ist ihr Kaffee ein Aushängeschild. Diese Haltung hat mich immer beeindruckt: Hier stehe ich und mein Kaffee und dieser ist der Beste den du bekommen kannst.

Und hier beginnt auch der genannte Unterschied. Einen Wirt, einen österreichischen Wirt, der seine Arbeit, seinen Beruf, vielleicht seine Berufung ernst nimmt und seinen Kaffee zum Aushängeschild macht – das wäre meine Gralssuche. Nur – hier in den heimatlichen Landen bin ich bislang viel zu selten fündig geworden.  Kaffeewüste Österreich.

 Foto: douglasfreer / 123RF Stock Photo

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