Es gibt keinen Wein der DAC heisst.

Burgenland Weingarten

Weingarten im Burgenland

Vor einiger Zeit flatterte uns eine Hochglanzbroschüre ins Haus, die eindringlich zum Kauf verschiedener burgenländischer Weine riet und dabei immer wieder auf den Neusiedlersee DAC hinwies. Und weil man schon dabei war auch auf die anderen 7 DACs, die die österreichische Weinwirtschaft kennt. Und den inzwischen 9., wenn man so will, den Wiener Kollegen.

Um mit dieser Information auch etwas anfangen zu können, muss man wissen, dass man International zwei verschiedene Arten des Weinrechts kennt. Die romanische Variante, die in Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich zur Anwendung kommt, und die Germanische. Letztere ist in erster Linie in Deutschland und Österreich gültig; sie charakterisiert die Weine eher nach Sorten als nach Herkunft und Gebiet während bei der Erstgenannten eben die Herkunft im Vordergrund steht.

Um dies nun genauer unter die Lupe zu nehmen könnte man dem österreichischen Konsumenten die Frage stellen, welchen Wein er denn gestern abend getrunken hätte. Und wenn er nun nicht mit Stiegl oder Ottakringer antwortet, so wird vielleicht die Antwort ganz klassisch sein: „Einen Grüner Veltliner.“ oder „Einen Zweigelt.“  Ganz gewohnt hat er die Frage nämlich nach dem germanischen Weingesetz beantwortet und die Sorte genannt. Die gleiche Frage würde in Frankreich oder Italien ein „Bordeaux.“ oder „Chianti“ ernten, hier wird der Herkunft den Vorzug gegeben. Letztendlich hat wohl beides seine Berechtigung, bedenkt man, dass ein Zweigelt von sich aus genauso ein Geschmacksbild besitzt, wie der Zweigelt vom Neusiedlersee ein ganz Bestimmtes hat. Die Vereinigung der beiden Konzepte ist in einer sehr österreichischen Lösung im Jahre 2002 gefunden worden. Da wurde nämlich der erste DAC, der Weinviertel DAC begründet.

DAC (Districtus Austriae Controllatus) bezeugt einen bestimmten Wein mit ganz bestimmten Eigenschaften aus einer ganz bestimmten Region. Beispielsweise muss es ein sogenannter Qualitätswein sein und beispielsweise für den Weinviertel DAC ein Grüner Veltliner mit bestimmten Geschmacks- und Ausbaueigenschaften. Oder beim oben genannten neuen Neusiedlersee DAC, einen reinsortigen, fruchtig-würzigen Zweigelt aus der Region Neusiedlersee. Letztendlich ist der DAC die Vereinigung zweier Konzepte und soll dem Konsumenten die Möglichkeit geben Weine nach dem typischen Geschmack einer Weinregion auszuwählen. Ob das Konzept aufgeht ist freilich nicht so ganz klar, denn viele Konsumenten sind mit dem Begriff „typischer Geschmack einer  Weinregion“ definitiv überfordert. Und über eines muss man sich ganz klar sein: Es gibt keinen Wein der DAC heisst. Der DAC kann immer nur eine Hilfestellung sein, einen bestimmten Geschmack, den der Konsument vielleicht einmal gefunden hat, auch in Produkten anderer Winzer in Abwandlungen wiederzufinden.

Wenn denn der Konsument nur wüsste, dass er das mit dem DAC könnte. Oder so.

Text: Klösch
Foto: Wein Burgenland (Joachim Lukan)

2 comments on “Es gibt keinen Wein der DAC heisst.

  1. Gottfried on said:

    Ich sehe das DAC-Konzept auch als recht schwierig an!

    Besonders hier in der Steiermark gibt es eine Vielzahl an Sorten, dass vieles eigentlich als DAC taugen würde. Von mir aus könnte die Südsteiermark den Sauvignon blanc nehmen, die Weststeiermark natürlich den Schilcher (war auch von Anfang an Geschprächsthema, bzw. wäre fast die 2te DAC in Österreich geworden).

    Und im Südosten? Hier würde der Weissburgunder sehr gut passen…
    Man wird sehen wie es weitergeht!

    • Ja, das Konzept ist nicht ganz schlüssig und erscheint mir im Grunde eher eine Verhinderung von Vielfalt zu sein als eine Unterstützung. Denn wenn viele Weinstile angeboten werden, macht es wenig Sinn alle wieder zu einem „besten“ zusammenzuführen zu wollen.
      Wenn wir auf der einen Seite so stolz sind auf die Vielfalt des österreichischen Weines und auf der anderen Seite alle gleichzeitig in einen DAC pressen wollen – was wäre denn da dann der gewünschte Weinstil?

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