Erste Sahne … ein Besuch im „Duspara“ im 5. Wiener Gemeindebezirk

Duspara 1050 WienWir haben liebe, jahrzehntelange Freunde. Kennen gelernt haben wir uns 1991 in der Karibik, wo uns das Schicksal zufälligerweise ins gleiche Hotel in Montego Bay, Jamaica, verschlagen hat. Eigentlich hat Hans uns schon am Flughafen Schwechat kennen gelernt, wie er uns beim ersten gemeinsamen Urlaubs-Abendessen gestand:  „Ich hab schon an Eure Kofferanhänger gesehen, dass Ihr auch aus Ottakring kommt.“

Mittlerweile wohnen meine Frau und ich nicht mehr in Ottakring, gemeinsam auf Urlaub fahren wir seither aber regelmäßig; fast jedes Jahr. Schottland,  Lissabon, Barcelona, Stockholm, Kopenhagen, St. Petersburg und was weiß ich noch wo.

Und zu einem schönen Urlaub gehört gutes Essen. Die Planung des jeweiligen Abendessens wird jedenfalls präzise durchgeführt und im Zuge der Stadtbesichtigungen durchaus Umwege für die Vorbesichtigung in Frage kommender Wirtshäuser in Kauf genommen. Und meistens klappt es dann – Tripadvisor et. al. sei Dank – zur allgemeinen Zufriedenheit. Noch heute schwärmen wir von den wunderbaren Abendessen in der Ortskneipe des toskanischen Winzerdorfes oder von dem superkreativen Amsterdamer Restaurant mit ebenso kreativem Ausblick auf den Straßenstrich. Oder wir lachen über den an Grauslichkeit nicht mehr zu überbietenden, totgekochten „Chicken Salad“ in irgendeinem schottischen Dorfpub.

So ein Urlaub muss natürlich auch genau vorbereitet werden. Zur Besprechung des nächst anstehenden Urlaubs treffen wir uns immer in einem guten Lokal, tunlichst in einem, wo wir zuvor noch nicht waren. Natürlich auch zu Urlaubsnachbesprechungen, zu Zwischenbesprechungen und überhaupt nur so zum Tratschen. Demnächst geht die Reise in die südliche Emiglia Romana und die Marken. Zur ritualen Vorbemurmelung haben wir uns, von guten Kritiken animiert, für das Duspara entschieden, weit draußen auf der Wiedner Hauptstraße, fast schon beim Gürtel.

Herr Duspara hat im Steirereck gelernt. Das Qualitätssiegel hält in diesem Fall absolut was es verspricht. Zunächst jedoch begann der Besuch mit einer Enttäuschung. Reservierung verschmissen, Tisch nur für zwei Stunden verfügbar. Jedoch bei so viel aufrichtiger Zerknirschtheit und charmanter Gastfreundschaft von Herrn Duspara und dem zuvorkommenden Servicepersonal konnten wir nicht lange böse sein.

Das Essen besorgte den Rest. „Erste Sahne“ würden unsere lieben nördlichen Nachbarn sagen, „Soul Food“ die Angelsachsen, ich beschränke mich auf ein „ur leiwand!“. Ein göttlich cremiges Entenleberparfait mit Birnenragout, eine superzarte und gschmackige Wildschweinkeule. Oder die famose Ofenleber mit Zwiebelmarmelade und Erdäpfelpüree. Der knusprig gebackene Kalbskopf war schon (aber nicht nur) optisch ein Hochgenuss und der geschmorte Oktopus von ebensolcher Qualität. Die Desserts spielten auch alle Stückln, zum Beispiel das Schokomus mit warmen Schokokuchen.

Das Essen ist kreativ, gleichzeitig aber bodenständig. Die Portionen sind enorm, fast zu groß für unsere Fassungsvermögen. Ich war jedenfalls nach drei Gängen an der Kapazitätsgrenze angelangt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist schließlich einfach nur als sensationell zu bezeichnen. Ein heißer Tipp also!

Eine Bitte noch an Danijel Duspara: die Homepage rasch fertig machen, man will ja vorher ein bisserl gustieren.

Und über unsere Fresserlebnisse in Italien erzähle ich beim nächsten Mal.

Text: Michael Binder
Bild: Gerhard Wasserbauer/ DerStandard.at

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5