Elisabeth Wendelin. Alle zusammen.

Elisabeth Wendelin, NeusiedlerseeWer in Gols die Hauptstraße entlangfährt, könnte leicht am Hof der Familie Wendelin vorbeifahren. Denn von der Straße aus betrachtet, sieht der Hof aus wie viele andere. Das Tor trennt die Außenwelt wirksam vom Familienbereich ab und erst wenn die schwere Tür sich öffnet und den Gast hereinbittet, kann man erkennen, welch schmucker und geschützter Bereich sich dahinter versteckt. Ein sonnendurchfluteter Innenhof begrüßt den Besucher und lädt ein, sich zu setzen und Golser Weine zu kosten; und zeigt dabei auf wie sehr doch die Ruhe Teil des Weinmachens ist.

Schon die Großeltern machten hier Wein und auch heutzutage ist es so wie es hier schon immer war. Es leben drei Generationen in einem Haus und arbeiten gemeinsam auf dem Hof. Dieses Stück Althergebrachte, vermischt mit dem modernen Gedankengut der Tochter Elisabeth, macht viel aus in der Qualität der Produkte des Familienbetriebes. Hier wird gemeinsam an einem Strang gezogen, hier wird miteinander und nicht gegeneinander gearbeitet, man ergänzt sich, das gemeinsame Ziel vor Augen. Und dieses Ziel heißt, ehrliche Weine zu machen. So ist auch das Credo der Elisabeth Wendelin: „Wir wollen ehrliche Weine in die Flasche bringen. Nichts dazugeben, was nicht dazugehört aber auch nichts weglassen, was Teil des Ganzen ist. Ich will die Jahrgangsunterschiede genauso schmecken, wie die Typizität der Sorte. Und für mich muss immer erkennbar bleiben woher der Wein kommt.“

Elisabeth Wendelin, Neusiedlersee, ElisaWas im Weingarten passiert, kommt in die Flasche. Es ist der Weinmacherin wichtig, ihre eigene Handschrift im Produkt zu verewigen, zu zeigen, wie sehr ihr der elterliche, gemeinsame Betrieb zu eigen geworden ist und sie auch Teil davon ist. Jeder der hier arbeitet bringt seine ganz spezielle Erfahrung mit ein. Und so produziert der Familienbetrieb in einer fruchtbaren Symbiose der einzelnen Familienmitglieder eine übersichtliche Anzahl Weine Golser Provenienz.

Was aber letztlich wirklich an der jungen Elisabeth Wendelin sichtbar ist, ist ihre Geduld in Verbindung mit der ihr eigenen Zielstrebigkeit. Das Langsame, das Abwartende und Beobachtende, aber auch die Lust am Experimentieren und die Fähigkeit da Kompromisse einzugehen, wo es nötig ist und sich dort kraftvoll  durchzusetzen, wo es um ihren eigenen Stil geht. Seit 2009 arbeitet sie im Betrieb und seit einiger Zeit übergeben die Eltern Stück für Stück langsam das Weingut an ihre Tochter. Aber es wird noch einige Zeit brauchen, bis sie ganz allein am Ruder steht. „Und das ist auch gut so, denn wir sind ein gutes Team und das ist mir wichtig. Das möchte ich auf keinen Fall missen.“, betont sie.

Der Beruf ist gleichzeitig Berufung für sie. Schon als Kind, so erzählt sie, sei sie lieber in den Weingarten als in den Kindergarten gegangen. Das Abwechslungsreiche, das Kreative, die Arbeit mit der Natur und mit den Menschen, das sind die interessante Eckpfeiler dieser Profession. Die Gesamtheit mache es aus, sagt sie, vom Weingarten über die Kellerarbeit, den Kundenkontakt bis hin zu Dingen wie Messe und der Austausch mit anderen Winzern im Dorf. Jeder Bereich bringe einen Ausgleich zu den Anderen.

„Der Austausch mit den Kollegen hier in Gols ist wichtig für uns.“, gibt die 28-Jährige zu verstehen, „Wir tauschen uns aus und unterstützen uns gegenseitig.“ Die Zusammenarbeit der Winzer untereinander funktioniere bestens. Und auch wenn es nicht so intensiv sei, wie beispielsweise in Andau, so sei es doch ein hilfreiches Miteinander und auch dafür sei sie sehr dankbar. Auch das ist ein Zug, der sehr zu ihr passt. Das Verbindende, das Kollaborative zeichnet die hübsche Weinmacherin aus.

Den zweiten Teil lesen Sie heute nachmittag hier.

Bilder: Wendelin

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