Elisabeth Wendelin. Gemeinsam sind wir wir.

Elisabeth Wendelin, Neusiedlersee

Den ersten Teil des Portrais lesen Sie hier.

Einstweilen wird die Verantwortung für die Weine und den Betrieb in seiner Gesamtheit von Vater und Tochter gemeinsam getragen. Die Erfahrung des Vaters ist ein großer Stützpfeiler, aber die Entscheidungen trifft immer mehr Elisabeth, die Tochter. Wobei das Einvernehmen zwischen Vater und Tochter dadurch nicht getrübt wird, ganz im Gegenteil, die verbindende Art der blonden Winzerin ermöglicht eine nachhaltige Zusammenarbeit in der Familie.

Nach dem Studium hat sie die Zeit genutzt, um in Betrieben wie dem Leo Hillingers oder der Forschungsanstalt Geisenheim in Deutschland Erfahrung zu sammeln.  Mit diesem Schatz im Gepäck, ist sie dann wieder in den Schoss der Familie zurückgekehrt. Und die Ideen, die sie mitgebracht hat, werden nun langsam und zielstrebig, wie es ihre Art ist, Stück für Stück, umgesetzt und bereichern und verbessern hier die Qualität.

„Das Weinmachen lernt man in der Praxis und nicht an der Uni.“, erklärt sie fast leidenschaftlich, „Weinmachen kann jeder. Aber zum Winzer braucht es mehr.“ Denn im Grunde, sagt die Winzerin, käme es mehr auf die Haltung und Denkweise als nur auf das Handwerkszeug an. Langsam und sorgfältig zu arbeiten, Intuition, Erfahrung und Know-How gezielt einzusetzen. Und letztlich die Weingartenarbeit in ihrer Qualität im Keller fortzusetzen.

Elisabeth Wendelin, NeusiedlerseeFür sie ist die spannendste Zeit im Jahr die der Lese. Wenn die sorgfältig per Hand gelesenen Trauben  in den Keller kommen und gleich weiterverarbeitet werden. Und wenn sich dann im Laufe der Kellerarbeit ganz langsam der Charakter des Weines offenbart. Wenn das, was dort im Weingarten herangezüchtet, unterstützt, gehegt und gepflegt worden ist langsam zeigt was es kann, wieviel Kraft in ihm steckt und welche Wesensart da unterstützt und herausgearbeitet worden ist. Dann ist die Weinmacherin voller Spannung und wartet ob das Konzept, die Idee der Vinifizierung, die in ihrem Kopf während der Zeit des Wachstums und der Reife entstanden ist, nun auch greift und richtig war.

Praktischerweise ist das Weingut an eine Quelle angeschlossen, die die Kühlung im Keller erledigt. Dass das selbst in warmen Zeiten, bis 15°, funktioniert, ist eine lokale Besonderheit und spart Energie. „Gut für uns, gut für die Umwelt.“, bemerkt Elisabeth Wendelin pointiert. Überhaupt ist der grüne Gedanke im Weingut spürbar. Nicht vordringlich aber sichtbar. Man arbeitet nicht nach Biodynamischen Konzepten aber immerhin ist IP – Integrierte Produktion – ein naturnaher Vetter davon. Man will mit der Natur arbeiten und nicht dagegen. Zusehen und hinhören. Dem Weingarten Zeit geben und sich an der Natur orientieren. Das Wetter und den obligaten Rosenstrauch im Weingarten beobachten, Bodenbegrünung. Einfach den Reben geben was sie brauchen. „Alles braucht seine Zeit.“, so erläutert Elisabeth Wendelin ihre Haltung, „In der Natur geschieht nichts von heute auf morgen. Wir wollen dem Rechnung tragen und unseren Weinen Zeit geben.“

Jedem Wein, jeder Sorte, jedem Cuvée individuell seine Chance geben. Ihn zeigen lassen was er kann. Geduldig und langsam. Das ist der Weg Elisabeth Wendelins. Nachhaltig.

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5