Eine Ode an das Frühstücksei

Das Frühstücksei.Ich weiss aus der einschlägigen Literatur, dass übermässiger Eiergenuss zu sprunghaft ansteigenden Cholesterinwerten führen kann. Seit Jahren schon wollen uns Ernährungwissenschafter weismachen, dass, wenn wir mehr als 2 Eier pro Woche verzehrten, unweigerlich Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt auf uns warten. Ich gestehe ganz ehrlich, ich esse seit 40 Jahren Eier wann ich will. Meine Blutwerte sind so schön wie aus dem Lehrbuch und deswegen werde ich einen Teufel tun und mich einschränken lassen. Ich werde mir nach wie vor mein geliebtes Frühstücksei genehmigen. Dies allerdings ist eine Kunst, die nicht jedermann beherrscht.

Es darf nicht zu hart sein, aber auch nicht zu weich. Es darf nicht zu roh sein, weil man dann das in akkurate Stücke geschnittene Schwarzbrot nicht mehr eintauchen kann, ohne dass ein ekliger Eiweissfaden heruntertropft und die von der Grossmutter höchstpersönlich bestickte Sonntagstisch-wäsche beschmutzen würde. Aber auch zu durch darf es nicht sein, denn dann würde mir das Dotter in Stücken entgegenfallen, Doch dder schlimmste Fall wäre für mich, wenn der Dotter kalt ist, denn das geht wirklich gar nicht.

Das perfekte Frühstücksei stammt selbstverständlich von glücklichen Hühnern, die man beim Anblick des sattgelben bis orangefarbenen Dotters noch auf dem Misthaufen scharren hört. Ein Glückstag, wenn man beim Köpfen desselben plötzlich auf 2 Dotter stösst, was bei Supermarkteiern selten bis gar nicht vorkommt. Ich lobe mir deswegen den sehr geschätzten Bauern meiner Nachbarschaft, der mich allwöchentlich mit frisch gelegten Eiern versorgt. Und manchmal darf ich diese sogar höchstpersönlich aus dem Nest nehmen.

Aber wie kommt man nun zum perfekten Frühstücksei? Wichtig, Eier aus dem Kühlschrank lässt man erst eine halbe Stunde draussen liegen. Will man verhindern, dass das Ei springt, sticht man es mit einer Nadel an der stumpfen Seite an um es alsdann ins kochende Wasser zu geben. 3 Minuten (weich) bis 5 Minuten (wachsweich), alles drüber wird hart.

Es gibt mittlerweile im Handel sogenannte „Eierköpfmaschinen“, davon allerdings halte ich gar nichts:, denn ein Ei zu öffnen, ist eine Philosophie. Man könnte formulieren: Sage mir, wie du dein Ei öffnest und ich sage dir, wer du bist. Beispielsweise: Der Draufgänger, der sein Leben lang seine Ellbogen einsetzen musste um seine Ziele zu erreichen, wird mit einem Messerhieb das Ei richtiggehend köpfen und so durch die Schale stossen. Das gegenteilige Verhalten des träumerische, sensible Menschen, der das gekochte Frühstücksprodukt erst genau und eingehend betrachtet, um es dann langsam mit dem Löffel weichzuklopfen und mit vorsichtigen Fingern Schale um Schale zu entfernen bis sich endlich offenbart, worauf er sich schon die ganze Zeit so sehr gefreut hat.

Mein ganz persönliches Frühstücksei wird langsam weichgeklopft und mit einem Löffel Butter, Salz und Pfeffer verfeinert und je nach Laune mit knusprigem Weissbrot oder herzhaftem Schwarzbrot genossen. Dazu passt alles, was schmeckt: geräucherter Lachs mit einem Hauch Oberskren, ein feiner Vulkanoschinken oder aber auch für Verwegene ein Stück reifer Gouda mit Ribiselmarmelade!

Aber wie immer – mir persönlich schmeckt es am besten mit  einem kräftigen Kaffee und einem netten Gegenüber!

Text: Bibi Stift

Foto: ozbandit / 123RF Stock Foto

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