Eine Genussreise durch die Emiglia Romagna und die Marken

Grana Padano, Italien zu TischEine Autoreise durch italienische Regionen ist eine der schönsten Varianten Urlaube zu verbringen. Insbesondere durchs Hinterland und abseits touristischer Trampelpfade bietet sich die Gelegenheit italienische Kultur und Mentalität aufzusaugen und sich vor allem den kulinarischen und önologischen Genüssen hinzugeben. Irgendwie schafft man es in Italien schwer, schlecht zu essen und zu trinken. Wenn auch eine Woche durch die südliche Emiglia Romagna und die Marken in einen echten Leistungssport für Verdauungstrakt und Leber ausarten kann. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Unsere Route führte uns von Bologna vorerst in die südliche Emiglia Romagna nach Verucchio, einem kleinen, von Tuffgrotten unterhöhlten Dorf. Dort warteten die ersten lukullischen Herausforderungen auf uns. Der geplante Mittagsimbiss (a bisserl Schinken, a Aizerl Wurscht, a wengerl Kas) artete natürlich prompt in eine Fressorgie aus, die am Abend beim Degustationsmenü im Restaurant Al Mastin Vecchio ihre Fortsetzung fand. Geräuchertes Rindfleisch, Pasta mit Ragout vom schwarzen Schwein und eine klassische Tagliata mit Rosmarinerdäpfel sorgten bei uns für wohliges Stöhnen und erhöhten Grappa-Bedarf zur Beruhigung der Magennerven. Nicht, dass Digestive wirklich bei der Verdauung helfen, aber eine gute Ausrede für ein paar Edelbrände ist es allemal.

Nach dem geglückten Warm-Up stand am nächsten Tag ein Kochkurs im Agriturismo La Collina dei Poeti auf dem Programm. Unter fachkundiger Leitung versuchten wir uns an der Produktion von Piadine, dem regionalen Fladenbrot, gefüllt mit Mangold sowie von Pastateig (10 dag Mehl, 1 Ei, sonst nix – schmeckt aber hervorragend). Beides wurde, gefolgt von einem herrlichen Kalbsfilet im Speckmantel mit Erdäpfel und einer Torte, mit Weiß- und Rotweinen aus eigenem Anbau verzwickt. Und das bei 30 Grad im Schatten. Nach nachmittäglicher Visite von Santarcangelo und einem Abstecher nach San Marino ging es zurück nach Verucchio.

Gut, dass nach dem ausgiebigen Mittagsmenü am Abend nur ein „Aperitivo“ in einer kleinen Bar im Ort auf dem Programm stand. Schlecht, dass sich dieser „Aperitivo“ als plattenweisen Bruschettas, Schinken, Wurst und Käse in höchster Qualität entpuppten, die mit vier Flaschen Wein (zu viert) runtergespült werden mussten. Rien ne va plus, glücklicherweise war das Hotel nur 50 Meter einmal ums Eck entfernt.

Der nächste Tag führte uns vorerst in die zauberhafte Stadt San Leo; am Nachmittag erreichten wir unser nächstes Quartier, das Agriturismo von Manu und Paolo in den Hügeln über der Küstenstadt Fano. Dieses neu renovierte Landhaus mit Olivenhain und Karpfenteich ist ohne Einschränkungen zu empfehlen. Die Gastgeber begrüßten uns ebenso herzlich und persönlich wie die schnatternden Enten und Gänse rund um den Teich. Eine der Enten hatte dann aber gleich ausgeschnattert und wurde uns von Ivana beim Familienabendessen in Form eines Ragouts mit herrlichen Gnocchi kredenzt. Danach gab es noch Bratwürste, eine wirklich gelungener Einstieg in die Cucina Marchigiana, begleitet von einer ersten Entdeckungstour durch die regionale Weinlandschaft.

Obwohl wir am Ende des Tages wieder einmal „Morgen essen wir gar nix mehr“ schnauften, ging es am nächsten Tag natürlich munter weiter. Aber davon erzähl ich beim nächsten Mal.

Text: Michael Binder
Bild: elvinphoto / 123RF Stock Photo

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5