Ein Schwede im Straßertal

Binder_KamptalEine der schönsten Samstags- oder Sonntagsbeschäftigungen für vinophile Wiener ist es, einen Ausflug in die Weinbauregion Kamptal zu unternehmen, den Kofferraum mit einigen Kisten zu füllen und das Ganze noch mit einem guten Essen zu verbinden. Ein Rundtrip von Winzer zu Winzer ist dabei keineswegs zu verachten, wer es aber komfortabler und konzentrierter mag, dem sei hier eine besondere Stätte des Genusses empfohlen (wenn es denn noch ein Geheimtipp ist): Ich schreibe hier nicht von den doch sehr bekannten Vinotheken in Langenlois, jener im Loisium oder dem Ursinhaus nahe dem Hauptplatz. Mir hat es besonders die Vinothek Weinkontraste in Straß im Straßertal angetan, einem nicht ganz so prominenten Teil der Weinbauregion Kamptal.

Also: was ist das besondere an den „Weinkontrasten“? Da gibt’s doch mehrere Gründe zu nennen: Zum einen sind es die hervorragenden Weine – das Straßertal bietet eine Fülle ausgezeichneter Winzer: Allram, Maglock-Nagel, Rosenberger oder die allseits bekannte Birgit Eichinger, um nur einige zu nennen. Natürlich dominiert der Grüne Veltliner, aber auch Riesling, Sauvignon Blanc oder Gelber Muskateller werden auf der weißen Seite auf hohem Niveau ausgebaut. Zum zweiten: das gute Preis – Leistungsverhältnis: der überwiegende Teil  der Weine bewegt sich preislich bei hervorragender Qualität zwischen 5 und 10 EURO. Und schließlich zum dritten: Der Chef des Hauses, das Herz der Weinkontraste: Joachim Palm, ein Schwede, der seine zweite Heimat im Strassertal gefunden hat und die Vinothek in einer stimmungsvollen Architektur, einer alten Scheune, leitet.

Charakteristisch für Herrn Palm ist zunächst einmal die Liebe zum Produkt, das umfassende Wissen und die Freude, dieses mit den Kunden zu teilen, durch Erzählungen, aber auch durch Verkostungen. Eine Anekdote mag diese Leidenschaft verdeutlichen: In den Wintermonaten ist die Vinothek auf „stand by“, das heißt, an der Tür klebt ein Zettel mit seiner Mobilnummer, man ruft an, binnen Minuten ist der General Manager da. Herr Palm meint noch: „Oh, da haben Sie ein Glück gehabt, ich wollte gerade mit meiner Frau einen Ausflug machen. Ich hab nur kurz Zeit“. Doch wenig später stehen bereits die Verkostungsgläser am Tisch und man ist mit ihm in eine rege Diskussion über die Spezifika des Veltliner-Jahrgangs vertieft. Seine bedauernswerte Gattin muss warten und ich bin bereits bei der siebten Probe und im Himmel mit der gleichen Nummer.

Und noch etwas macht ihn aus: ehrlichere Beratung wird man kaum irgendwo bekommen. Es gibt keinerlei Überredungskunst in Richtung kostspieligere Produkte. Ganz im Gegenteil, die Preis-Leistungsverhältnisse werden von ihm selbst höchst kritisch beleuchtet.

Was braucht man also für einen Ausflug zur Vinothek Weinkontraste? Einen ausreichend voluminösen Kofferraum und eine verständnisvolle Frau, die das Steuer für den Heimweg übernimmt. Weil, Verkostungen können dort recht üppig werden. Und zeigen am Vormittag auch ganz schön Wirkung.

Und wohin geht’s dann zum Essen? Bis vor kurzem hätte ich gesagt: zum Schwillinsky ins Zentrum von Langenlois. Aber Herr Schwillinsky hat sein Lokal in Langenlois geschlossen und eröffnet erst am 28. März 2015 „Schwillinsky in der Rosenburg“. Eine gute Gelegenheit, wieder einmal das Kamptal zu besuchen. Der Veltlinerbestand daheim ist eh schon beängstigend niedrig.

Text und Bild: Michael Binder

One comment on “Ein Schwede im Straßertal

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