Kulinarium. Ein Garten voller Inspirationen.

HollerblütenMit dem Schreiben auf Befehl ist das so eine Sache. Einerseits möchte man nicht den Eindruck erwecken, einfallslos und uninspiriert in den Tag hinein zu leben, andererseits gibt es auch für sehr phantasievolle Menschen jenes berühmte Damoklesschwert namens Schreibblockade, das ausgerechnet heute drohend über meinem Haupte schwebt.

Trotzdem will es ein unbarmherziges Schicksal, dass ein Artikel abgeliefert werden soll. Heute. Jetzt. Verflixt! Ich mache mich also auf der Suche nach Inspirationen auf, meinen Garten lustwandlerisch zu durchstreifen.

Immerhin wächst hier Einiges, das durchaus mit den Begriffen Genuss und Kulinarik zu tun hat. In meinem Obstgarten zum Beispiel, der ausser Äpfeln, Birnen und Zwetschgen auch so exotisch anmutende Früchte wie die Felsenbirne oder die Quitte beheimatet. Die Früchte der Felsenbirne, kleine dunkelblaue Beeren, deren Aussehen an Heidelbeeren erinnert ,pflückt man am besten einfach so vom Baum und lässt sie schnell Im Mund verschwinden, bevor andere Familienmitglieder überhaupt mitbekommen, was da Gutes wächst.

Die Quitte, eine Frucht, die mich schon einige mit leise gemurmelten Flüchen unterlegte Arbeitsstunden gekostet hat, übergehe ich geflissentlich, weil ich vor Jahren mein persönliches Waterloo damit erlebte. Aber das ist eine andere Geschichte, die es übrigens irgendwo hier im Fundus noch geben müsste.

Ich wende mich den Himbeeren zu, diesen herrlichen Früchten, die mir am besten heiss gemacht zu einem Schwung Vanilleeis schmecken oder aber auch frisch vom Strauch-über die Fingerkuppe gestülpt, kurz liebevoll betrachtet und dann sofort in den Mund befördert.

Weiter geht’s zum Flieder. Man glaubt es nicht, aber aus den Blüten fabriziere ich alljährlich einen wunderbar duftenden (no na!) Sirup, der hin und wieder glücklicherweise wie beim letzten Mal viel zu lange stehen bleibt und sich auf wundersame Weise in einen prickelnden, leicht alkoholisierten Schaumwein verwandelt.

Fliedersirup passt sehr gut zu diversen Desserts, harmonisiert am besten mit Vanille und Zitrone.

Über den Holunder, meinen Liebling und besonders vielseitigen Strauch könnte man wahre Abhandlungen schreiben. Ich verwende die Blüten natürlich für Saft und Hollergelee, das sehr gut zu Gegrilltem passt. Allein der Duft desselben erinnert noch im Herbst an die Maienzeit. Im Herbst, wenn ich dann die Beeren zu Marmelade verarbeite, was zwar sehr aufwändig ist und eine Riesenpatzerei, weil die Dolden händisch abgerebelt werden müssen, aber das Resultat lässt schon bei der ersten Kostprobe sämtliche Mühen vergessen.

So. Jetzt bin ich bei der Hälfte meines Gartens angelangt.

Nächstes Mal mehr 🙂

Text: Bibi Stift
Bild: Gänseblümchen/ pixelio.de

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