Ein Abend im Grand Hotel: Das „Le Ciel“ by Toni Mörwald

Le Ciel by Toni MörwaldMeine Frau hat sich beschwert, dass sie in meinen Artikeln nicht gut wegkommt. Dass ich mich zum Beispiel in meinen Würstelstand-Reflexionen über ihre Käskrainer-Essgewohnheiten (mit Ketchup) lustig gemacht hätte.

Also schreib ich heute einen Artikel, der ganz meiner Frau gewidmet ist. Sie hatte nämlich am vergangenen Dienstag Geburtstag. Und da habe ich ihr eine Nacht im Grand Hotel Wien am Kärntner Ring geschenkt, natürlich mit einem Abendessen im Le Ciel, dem dortigen Gourmet-Restaurant. Ich persönlich wäre ja auch gerne ins andere Restaurant, den Spitzen-Japaner Unkai gegangen. Aber dann hätte ich statt Geburtstag wahrscheinlich eher Scheidung feiern können. Meine Frau mag nämlich keine japanische Küche und Sojasauce ist für sie ein absolutes No-Go.

Eigentlich war das Geschenk ja eine Retourkutsche, denn meine liebe Gemahlin hatte mich zu meinem Geburtstag ins Hansen Kempinski am Schottenring eingeladen.

Das Geburtstagsarrangement begann mittags; wir sind anlassgemäß mit einer UberBlack Limousine zum Grand Hotel gegondelt, sehr nobel, sehr zuvorkommender Fahrer. Nach dem Einchecken im Hotel (das übrigens wirklich allen Anforderungen einer Luxusherberge entspricht), sind wir dann weiter auf das Gelände des Nordwestbahnhofs. Dort hat der Verein Props – Verleih von Requisiten für Film, Fernsehen, etc. auf ca. 4.000 m2 sein Lager. Ich hab für meine Frau, eine begeisterte Flohmarktgeherin und Kramuri-Sammlerin, eine Führung erbettelt und die sehr, sehr nette Frau Marlene hat uns eine Stunde alle Schätze gezeigt. Unglaublich, es gibt dort – außer Bekleidung – nichts, was es nicht gibt. Von der Trockenhaube über ein breites Sortiment an Überseekoffern bis hin zu Zigarettenautomaten aus den 70er Jahren. Wo das Packerl Hobby noch 13 Schilling kostet.

Der Verein muss übrigens in absehbarer Zeit dort ausziehen und sucht ein neues, günstiges Lager. Wer da helfen kann: bitte www.props.co.at kontaktieren.

Zurück im Grand Hotel und nach Testung der verschiedenen Bars sowie der XXL-Marmorbadewanne im Hotelzimmer ging es dann zum Dinner. Le Ciel firmiert ja offiziell ab Mai unter der Patronanz von Toni Mörwald. Nachdem wir Ende April dort waren, kann ich nicht beurteilen, wieviel Mörwald bzw. wieviel von seinem neuen Küchenpatron Roland Huber schon drin steckte. Ich kann nur sagen: es war nicht gut, nicht sehr gut, es war fulminant. Vom Gruß der Küche bis zu den Petit Fours einfach perfekt, eine angenehmes und fachkundiges Service, die Weinbegleitung ein absoluter Hammer. Jeder Wein optimal auf das Gericht abgestimmt. Meine liebe Frau hatte Gänseleber mit Räucheraal vorweg, dann ein Karree vom Milchkalb mit Spargel und Morchel. Der Spargel war mit dünnsten Scheiben vom Kalbskopf belegt. Als Dessert gab es noch Valrhona Luftschokolade mit XO-Creme.

Ich konnte mich uneingeschränkt über Spargel mit Kaisergranat, Taube mit Kukuruz und Krenkraut sowie einem Blütensalat mit Himbeeren und Zitronencroutons begeistern.

Es war ein wunderbarer Abend; Schade nur, dass der Regen den Blick durch die Panoramafenster beeinträchtigte und es für die Terrasse viel zu kalt und nass war.

Nach einem abschließenden Digestiv haben wir uns aufs Zimmer gewälzt. Ich musste dann natürlich noch Bayern gegen Dortmund bis zum finalen Elfmeterschießen schauen. Die Nachtruhe war eher durchwachsen. Die Zimmertemperatur war etwas zu hoch und meine Frau hat geschnarcht. Wie im Maschinenraum von einem Schiff: zu laut und zu warm.

Text: Michael Binder
Bild: Toni Mörwald

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