Du Gipfel meines Entzückens … Ein Loblied auf die Kartoffel

ErdäpfelDenjenigen unter uns, die der Kartoffel ihre Bedeutung als vorzügliches und unentbehrliches Gemüse längst aberkannt haben und sie nur als bloßes Beiwerk zu einem guten Stück Fleisch sehen, wird es leichtfallen, dem schnodderigen Berliner Ausspruch „Kartoffeln jehörn‘ in’n Keller“ zuzustimmen. Dabei ist die Kartoffel von unserem Speiseplan gar nicht mehr wegzudenken! So vielseitig einsetzbar, so gut kombinierbar, so sortenreich, so engagiert in der heimischen Küche! Bereits seit vier Jahrhunderten ist sie im europäischen Raum beheimatet. Die fremdartige Pflanze mit den violetten Blumen, die wohl von den spanischen Konquistadoren eingeführt wurde, wurde zwar vielerorts bewundert, jedoch anfänglich durchaus nicht ihrer essbaren Wurzel-Knollen wegen, sondern vielmehr als Zierpflanze, dessen Blüten als Ballschmuck dienten. Friedrich Wilhelm von Brandenburg, auch Der Große Kurfürst genannt, liess sie zunächst als besondere Leckerbissen nur an Festtagen zubereiten und auftragen. Seit der Regierungsperiode Friedrich II. aber, der den Anbau der Kartoffel kultivierte und (unter Androhung von Strafen) durchsetze, begann der Siegeszug des wohl am meisten verspeisten Gemüses. Und heute ist sie nicht mehr wegzudenken!

Oh du feine Kartoffel! Gekocht oder gebraten, geröstet oder gebacken. Es kann wunderbar sein, in eine Kartoffel zu beißen! Wer jetzt an Kartoffelpuffer oder an Erdäpfelgulasch denkt, wer jetzt über Rosmarindrillinge oder Kartoffelragout sinniert, dem wird das Wasser im Mund zusammen laufen. Und wer jetzt noch seufzt, wenn er nur an frische Pellkartoffeln mit Butter und Salz, Quark und Leinöl denkt, dem sei versichert, er befindet sich in bester Gesellschaft, denn das schönste Loblied auf die Kartoffel stammt wohl von Joachim Ringelnatz, dessen „Abschiedsworte an Pellka“ so lauteten:

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
du Ungleichrunde,
du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
du Vielgequälte,
du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückend
mit der Gabel! — Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumute?
Du bist so ein rührend junges Blut.-
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
so tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
warst und daß dich ein Kenner verschlingt.

Immer noch jemand der Meinung, Kartoffeln gehören in den Keller?

Text: Kathrin Bürger
Bild: Jürgen Jetzo/ pixelio.de

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